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Informationen und Erfahrungen rund um das Terra Preta Phänomen

 
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 Betreff des Beitrags: Terra Preta versus Terra Preta
BeitragVerfasst: So 16. Feb 2014, 11:29 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 222
Ein gutgemeintes Wort der Warnung:

Jede Bezeichnung eines in der Gegenwart zubereiteten Humus als "Terra Preta" ist leichtfertig, da sich so etwas derzeit nicht nachweisen laesst, und schadet der Sache.

Wer will schon behaupten, nachgewiesen zu haben, dass irgendein in der Gegenwart entstandener Humus Jahrhundertelang oder gar Jahrtausendelang in einem tropischen Habitat wie etwa Amazonien ohne jede menschliche Pflege ueberdauert und obendrein noch mit unglaublich rasanter Geschwingigkeit nachwaechst wenn man ihn abbaut?

Jeder auch nur ansatzweise ernsthafte Versuch dies nachzuweisen wuerde oder wird etliche Jahrzehnte benoetigen. Auch wenn es gelingt die (etwaige) spezielle Zusammensetzung der indigenen Terra Preta zu definieren, dann braucht es wiederum Jahrzehnte um diese Definition zu verifizieren.


Dauerhumus waechst. Das ist nichts Neues; schliesslich sind auch unsere Waldboeden nicht vom Himmel gefallen sondern ueber Jahrhunderte gewachsen, allerdings sehr langsam.Vielleicht ist das sagenhafte Nachwachsen der indigenen Terra Preta einfach nur ein Effekt der auftritt wenn in tropischem Habitat eine kritische Masse oder Dichte von Dauerhumus zustande kommt? Vielleicht sind irgendwelche endemische amazonische Mikroben dafuer verantwortlich? Vielleicht haben die, exotischen, darauf kultivierten Pflanzen eine Rolle dabei gespielt?

Und all das nur unter der Voraussetzung, dass es sich bei den Berichten ueber dieses sagenhaften Nachwachsen nicht um eine Ente handelt! Solche Enten sind schon immer wieder vorgekommen; manche davon sind bis heute Teil der Lehrmeinung (aus guten Gruenden..).

Ich persoenlich habe bis jetzt nur einen einzigen Augenzeugenbericht aus erster Hand gesehen: die Aussagen eines hageren,aelteren Mannes in Brasilien (HORIZON 2002). Natuerlich kann es sein, dass das auch von vielen anderen bestaetigt wird und seine Richtgkeit hat. Ich weiss es nicht.


Durch anaerobe Vergaerung oder Fermentation kann man Humus bereiten; in Asien etwa hat das lange Tradition. Dass dieser Humus naehrstoffreicher als jener aus aerober Kompostierung sei, da die anaerobe Vergaerung im Gegensatz zur aeroben Kompostierung ein nicht-exothermer oder nur insignifikat exothermer Vorgang ist, ist durchaus plausibel. Das und andere etwaige Vorteile machen die Sache hochinteressant; ebenso der Zuschlag von Holzkohle zur Humusbereitung.

Auch ich beginne jetzt, damit zu experimentieren, aber nach reiflichen Ueberlegungen nenne ich es nicht "Terra Preta"; zumindest vorlaufig werde ich es so halten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta versus Terra Preta
BeitragVerfasst: So 16. Feb 2014, 20:15 
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Registriert: So 15. Dez 2013, 07:45
Beiträge: 38
Hallo Erdgeist,
ja, eine schlüssige Sichtweise, die du da beschreibst. Aber vielleicht sollte man nicht vergessen, dass die Terra Preta dos Indios ein Potenzial etwickelt, welches weit über eine fruchtbare Erde oder eine humusaufbauende Schicht hinaus geht. Für mich zum Beispiel war es der Auslöser, dass ich mich eingehender mit dieser Thematik befasse, peinlich genug, weil man von einem Gärtner im Grunde in die Geheimnisse der Bodenkunde eingeweiht sein sollte. Aber weit gefehlt, das muss ich zugeben. Allerdings bin ich hier nicht alleine unter Kollegen. Terra Preta und die EMs bieten für mich die Möglichkeit, mich in meiner Suche nach Alternativen zum momentan üblichen Garten-raub-bau, weiter zu entwickeln. Aber auch für Hobbygärtner gibt die hier beschriebene Art der Pflanzenaufzucht eine Vision, dass sich Kreisläufe wieder schließen. Und zwar Kleinstkreisläufe. Egal ob Balkongärnter oder Quadratgärtner. Niemand kann im Grunde auf seine "inneren Werte" verzichten, wenn er Pflanzen mit Nährstoffen versorgen will. Keiner kann organische Abfälle einfach so wegwerfen, wenn er dies als Grundlage für die Anzucht seines Gemüses verwenden möchte. Auch wenn es im Moment vielleicht etwas übertrieben scheint. Aber ich finds gut, dass es so viele Anregungen über eine verlorgengegangene Kunst des Gärtnerns ist. Auch wenn all diese Versuche, dem Geheimnis der schwarzen Erde auf die Spur zu kommen, nicht an die Terra Preta dos Indios heranreichen. Noch nicht. Und im Übrigen - wenns Schwarze Erde heißt - dann ist es für mich ja sogar besser verständlich!
Herzliche Grüße
Thomas


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta versus Terra Preta
BeitragVerfasst: Mo 17. Feb 2014, 11:39 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 222
Hallo Thomas!
Zustimmung auf der ganzen Linie!

Was ich sagen will:
Warum sollte man durch Fahrlaessigkeit eine so gute Sache in den Verruf der Phantasterei bringen?

Betreff: <die verlorengegangene Kunst des Gaertnerns>

Gute Nachricht: sie ist nicht verlorengegangen; es gibt weltweit unzaehlige Kleingaertner die Kompostwirtschaft betreiben und sich darueber und auch ueber andere Gartenpraktiken gerade im Internet austauschen. Lediglich der kommerzielle Land/Gartenbau ist seit langem Untertan des Chemie- und Saatgutregimes geworden(aus guten Gruenden...)

Dazu noch, verschieden Gaerten haben auch verschiedene Rahmenbedingungen, wovon die prominenteste der Gaertner selbst ist. Man kann also nur recht wenige universal geltenden Aussagen machen.

Eine davon ist die Ueberlegenheit der Kompostwirtschaft; aerob oder anaerob. Das einzige Problem dabei ist der Aufwand und die Kapazitaeten. Das aber ist meiner Meinung nach, und nicht nur meiner, durchaus loesbar.

Viele Gruesse!


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta versus Terra Preta
BeitragVerfasst: Mi 19. Feb 2014, 05:46 
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Registriert: So 15. Dez 2013, 07:45
Beiträge: 38
Guten morgen Erdgeist,
noch ein Gedanke zu deinem Hinweis den Begriff Terrapreta nicht über die Maßen zu beanspruchen. Ich war mal großer Anhänger der Bio Gas Idee. Damals noch von eher kleinen Landwirtschafsbetrieben verfolgt, die damit organische Haus- und Hofabfälle zur Gärung brachten und diese Gärgase verstromten. Man hat also kein Ackerland zum Anbau von "Energiemais" (ein saublödes Wort) verbraten. Heute jedoch sind die Anlagen monstermäßig groß, Landwirte fahren angeblich bis zu 80km einfache Strecke, um die Maisernte einzufahren, die dann mit viel Maschinenaufwand in große Fahrsilos eingelagert werden muss. Nicht zu vergessen, dass man das vergorene Material auch wieder ausbringen muss. Es ist mir ein Rätsel, wie da eine positive Energiebilanz rauskommen soll. Ich hab von Berichten aus Indien gelesen, wonach es dort Hausbiogas Anlagen geben soll, die den Hausmüll auf dem Balkon sozusagen vergären und mit dem Gas gekocht werden soll. Sowas fände ich eine sehr zweckmäßige Kreislaufidee.
Bei Terra Preta hab ich den Bericht über die Versuche im Wendland gesehen. Ich hab auch von einer großen Bio Chair Anlage aus der Schweiz gelesen und in Deuschland sollen diese Anlagen nun auch gebaut werden. Im Grunde ja eine gute Sache. Allerdings zeigt die Erfahrung mit Biogas, dass die ansich gute Idee irgendwann einen irrwitzigen Verlauf nimmt. Und das, so meine Vermutung, immer dann, wenn sich die Agrarindustrie dieser Sache annimmt. Deshalb meine Schlussfolgerung, dass diese Methode der Schwarzerde Produktion sehr sinnvoll ist, solange Maschineneinsatz außen vor bleibt, bzw. in ganz ganz minimalem Einsatz passiert. Geeignet also für kleine Gärtnereien, Landwirtschaften oder den Hobbygartenbau. So, wie die Zukunft der Landwirtschaft und des Gartenbaus insgesamt in den kleinen Familienbetrieben liegt, was aber die europäische wie die deutsche Regierung anders zu sehen scheint. Also: ich sehe die Gefahr des Missbrauchs Terra Preta mehr darin, dass es in der industriellen Landwirtschaft Einzug hält und somit ein technischer Apparat dahinter entsteht, der jeglichen Sinn für das Ganze in Frage stellt, als dass ein paar kleine Berufsgärtner oder Hobbygärtner an einer optimierung auf engstem Raume rumtüfteln.
Herzliche Grüße
Thomas


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta versus Terra Preta
BeitragVerfasst: Mi 19. Feb 2014, 12:50 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 222
Schinus hat geschrieben:
Bei Terra Preta hab ich den Bericht über die Versuche im Wendland gesehen. Ich hab auch von einer großen Bio Chair Anlage aus der Schweiz gelesen und in Deuschland sollen diese Anlagen nun auch gebaut werden. Im Grunde ja eine gute Sache. Allerdings zeigt die Erfahrung mit Biogas, dass die ansich gute Idee irgendwann einen irrwitzigen Verlauf nimmt.

Toll!

Am Besten jetzt alle Waelder zu Kohle verarbeiten und dann mit Monstertraktoren in die weiterhin versalzenden Aecker einpfluegen!

Also wieder einmal soll aus etwas Sinnvollem ein totaler Unsinn gemacht werden.


Hier stellt sich aber eine gute Frage.


Ich beginne erst mal woanders und komme dann auf den selben Punkt. Wenn man so mit verschieden Leuten redet, wenn man keinen extremen Standpunkt vertritt und wenn man Missverstaendnisse ausraeumt durch gute Kommunikation, dann sieht man dass die Meisten Leute eigentlich unseren Standpunkt teilen. Die Meisten Leute wollen eine Welt mit sanften und nachhaltigen Technologien. Eine gerechte Welt. Eine Welt mit regionaler Wertschoepfung. Eine Welt mit kleinraeumig geschlossenen Stoffkreislaeufen. Eine Welt die alle Lebewesen achtet und Resourcen schont. Eine Welt die Zukunft hat.

Und hier ist die gute Frage:




Warum ist unsere Welt so wie sie ist und nicht so wie wir sie haben wollen?

Ich rede hier von jenen Dingen die wir selbst formen; nicht vom Abschaffen der Gravitation.





Warum ist unsere Welt so wie sie ist und nicht so wie wir sie haben wollen?


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta versus Terra Preta
BeitragVerfasst: So 23. Feb 2014, 01:43 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 222
Hallo Thomas!
Noch eine Bemerkung zur Kombination von Mineralduenger und Holzkohle. Mineralduenger (Kunstduenger) sind gut wasserloesliche Salze, die natuerlich gerade von einem tropischen Skelettboden und durch staendige tropische Regenfaelle schnell ausgewaschen werden.Daher kann es durchaus sein, dass in in einem solchen tropischen Habitat ein Nutzen von Holzkohlezuschlag zum Boden zu beobachten ist.(Bodenaufbau wuerde ich dabei aber nicht erwarten).Also rein ein Effekt des Wasserspeichervermoegens der Holzkohle. Der Mineralduenger wird nicht ganz so schnell ausgewaschen.

In unseren Breiten ist das Problem der Auswaschung vorab viel geringer; und ich wuerde auch erwarten dass der Nutzen eines Holzkohlezuschlages zum mineralgeduengten Boden entsprechend geringer ausfaellt.


Wenn wir aber Boden aufbauen wollen, und das sollte unsere Prioritaet sein, dann muessen wir mit dem Konzept der Natur arbeiten:
Das Potential, die Fruchtbarkeit oder das Leben, pulsiert zwischen Vegetation und Boden, angetrieben von der Sonne und dem Motiv des Lebens selbst. Das beginnt mit den Pionierpflanzen und das Ergebnis ist der Hochwald. Ausser, wenn Erosion oder menschliche Dummheit die Sache behindern.


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