Terra Preta Forum

Informationen und Erfahrungen rund um das Terra Preta Phänomen

 
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 Betreff des Beitrags: Re: bestmögliches Pflanzenwachstum mit Terra Preta
BeitragVerfasst: Do 8. Mai 2014, 02:35 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 223
Jonas Léchot hat geschrieben:
Ich würde nicht behaupten, dass sich Getreideanbau erst ab 200 m^2 lohnt, die Fläche die man dafür plant hängt meiner Meinung den individuellen Bedürfnissen ab.

Keine Frage, persoenlichen Preferenzen sind die groesste Variable. Mein Vorschlag war auch sicher nicht als Norm oder Gesetz gemeint. Sorry, wenn es sich vielleicht so anhoerte.

Trotzdem moechte ich die Gelegenheit wahrnehmen um darauf hinzuweisen, dass die intensive Pflugwirtschaft der primaere Grund fuer die Desertifikation landwirtschaftlicher Flaechen ist (uebertroffen nur von neuzeitlichen Anwendungen der anorganischen Chemie).

Beispiele dafuer sind etwa:

>>die Geschichte des chinesischen Loess-Plateaus ab der Han-Dynastie

>>die verlassenen Staedte in der Gobi und der Takla-Makan

>>weite Teile des Vorderen Orients und des oestlichen Mittelmeeres

>>der amerikanische Mittlere Westen


Ein Beispiel fuer das Gegenteil waere etwa die Kultur der alten Amazonier: mehr als 1500 Jahre (in Worten: Tausendfuenfhundert Jahre) Landwirtschaft, und dabei den Boden nicht zerstoert sondern sogar noch aufgebaut. Und zwar mit Waldgaerten. Getreide spielte bei den Amazoniern mit grosser Sicherheit nur eine untergeordnete Rolle.

Getreide als primaeres Nahrungsmittel zu haben ist kein Diktat der Natur sondern eine kulturelle Entscheidung. Aber auch ganze Kulturen koennen falsch liegen. Anstatt jetzt auf ein Beispiel aus unserer juengeren Geschichte zu verweisen, nehmen wir doch einfach den chinesischen Schubkarren. Waehrend in Europa der Guetertransport ueber Land nach dem Verfall des roemischen Strassennetzes jahrhundertelang nur auf dem Ruecken von Mensch und Tier moeglich war, entwickelten die Chinesen etwa zeitgleich und in aehnlicher Situation (dem Verfall der Han-Dynastie) den chinesischen Schubkarren. Damit kann ein Mensch Lasten von mehreren hundert kg bis zu 50 km weit transportieren; und das auf schmalen Fusspfaden von maessiger Qualitaet. Das schlaegt auch heute noch jeden Fahrradanhaeger.

Wir koennen Brotgetreide weitgehend oder auch ganz ersetzen durch Baumfruechte, etwa Eicheln. Bitterstoffe und Ertrag als Probleme koennen geloest werden durch Zuechtung. So war es ja auch beim Getreide.

Dieser Vorschlag steht seit Hundert Jahren weitgehend unbeachtet im Raum.



Man kann uebrigens auch einen Waldgarten waehrend der ersten Jahre fuer einjaehrige Kulturen, auch Getreide, mitnutzen. In manchen Gegenden des Mittelmeeres wird traditionell Getreide in locker gepflanzten Hainen zusaetzlich kultiviert. Also das Analoge zu unseren Streuobstwiesen.


Viele Gruesse


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 Betreff des Beitrags: Re: bestmögliches Pflanzenwachstum mit Terra Preta
BeitragVerfasst: Di 13. Mai 2014, 10:58 
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Registriert: Do 10. Jan 2013, 17:15
Beiträge: 44
Dass die Pflugwirtschaft und unkontrollierte Weidewirtschaft (siehe Vorträge von Allan Savory) der Hauptgrund für die Desertifikation sind ist ganz klar. Genau deshalb verzichtet die Getreideanbaumethode von Fukuoka und Bonfils auf sämtliche Bodenbearbeitung und platziert die Getreidearten in ihr ökologisches Optimum, damit sie quasi von alleine äusserst gut wachsen. Pflanzen die ausserhalb ihres ökologischen Optimums wachsen müssen haben es schwer (z.B. Tomaten im kalten und nassen Frühling etc.).
Der Einsatz von Kunstdünger hat in Kombination mit dem Herabsetzen der Pflugebene dank starker Maschinerie den Humusabbau noch mehr angetrieben. Der etwas weniger rasche Humusabbau im biodynamischen und organischen Landbau ist lediglich auf die Kohlenstoffmenge zurückzuführen, die mit dem Mist etc. ausgebracht wird. Alle industriellen Anbausysteme kompostieren jedoch wortwörtlich den Boden weg! Viele Regionen der Welt sind heute nahe am Ende dieser Kompostierung, Mesopotamien ist vermutlich das naheliegendste Beispiel.

Bezüglich der mild-Züchtung von Eichen sehe ich zumindest 2 Probleme: 1) Bei dieser Generationszeit dauert die Wegzüchtung der Tannine in den Eicheln vermutlich sehr lange, und 2) da diese Bitterstoffe Schutz vor Herbivoren (v.A. Insekten) sind müsste mit deutlich höherem Insektenbefall gerechnet werden. Der beste baumförmige Ersatz für Getreide ist meiner Meinung nach die Edelkastanie. Für eine maximale Produktion muss die am besten angepasste Sorte für das jeweilige Mikroklima gewählt werden.

Ein weiterer Punkt, der betrachtet werden muss ist die Produktion von Streu (Stroh, Blätter, holzige Fruchtschalen…). Getreide ist in dieser Hinsicht ziemlich produktiv, ein gut unterhaltener Kastanienhain kann aber auch jede Menge Laub produzieren. Das ist wichtig für die Kompostierung und insbesondere die Hygienisierung der Fäkalien. Beiträge dazu sind in "Kompostheizung mit Urin u.a." zu finden.

Bis so ein Waldgarten etabliert ist müssen dazwischen einjährige oder schnellwachsende mehrjährige Pflanzen bodenschonend kultiviert werden.

Es lohnt sich übrigens einmal einen Blick in die ausführliche Dokumentation von Marc Bonfils zu werfen. Die ist hier zu finden http://www.scribd.com/fullscreen/101346 ... qaoln5umau
Die gibts so viel ich weiss jedoch nur auf Französisch, das sollte aber für viele Leute zumindest in Ansätzen verständlich sein.

viele Grüsse,
Jonas


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 Betreff des Beitrags: Re: bestmögliches Pflanzenwachstum mit Terra Preta
BeitragVerfasst: Mi 14. Mai 2014, 14:32 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 223
Jonas Léchot hat geschrieben:

Es lohnt sich übrigens einmal einen Blick in die ausführliche Dokumentation von Marc Bonfils zu werfen. Die ist hier zu finden http://www.scribd.com/fullscreen/101346 ... qaoln5umau
Die gibts so viel ich weiss jedoch nur auf Französisch, das sollte aber für viele Leute zumindest in Ansätzen verständlich sein.


Ich kann leider franzoesisch nicht lesen; und ich habe auch kein Konto bei scribt. Ich kenne nur die englische Kurzfassung:

http://www.agriculturesnetwork.org/maga ... ka-bonfils


Hier hat jemand schoene Photos eingestellt:[proudly found by DuckDuckGo]

http://www.permies.com/t/1568/fukuoka/F ... eat-method

einfach nach unten srollen bis zu:


Zoran Petrov

posted Jan 17, 2011 14:41:03
Some photosof Marc Bonfils method:




---------
Ich kultiviere momentan ausser Mais kein Getreide, aber wenn ich es einmal versuchen werde dann wuerde ich wohl so anfangen:

>>permanente Bodendeckung aus Weissklee

>>Vorkultur und manuell in den frisch geschnittenen Klee auspflanzen

>>Pflanzung in Reihen mit doppeltem Abstand und im naechsten Jahr auf die im Vorjahr nur mit Klee bewachsenen Streifen pflanzen=>50% Brache

Viele Gruesse


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 Betreff des Beitrags: Re: bestmögliches Pflanzenwachstum mit Terra Preta
BeitragVerfasst: Mi 14. Mai 2014, 23:05 
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Registriert: Do 10. Jan 2013, 17:15
Beiträge: 44
die Dokumentation über die Wintergetreidemethode ist mittlerweile in viele Sprachen übersetzt worden. Es gibt jedoch noch ein ca. 200-Seitiges Dokument mit allerlei Erfahrungen und Gedanken zur Permakultur. Das habe ich aber nur auf Französisch gefunden…

Damit die Technik Funktioniert müssen im Wesentlichen 3 Punkte erfüllt werden: 1) früh säen, weit auseinander säen, Boden beleben. Was man sonst noch macht und diese 3 Punkte erfüllt bleibt jedem selbst überlassen. Man könnte z.B. sehr gut eine Winterkohl/Wintergetreide Mischkultur anpflanzen.
Bezüglich Weissklee-Bodendeckung habe ich eine Vermutung: Der Roggen der im Garten wächst und nun fast fertig geblüht hat leidet bedauerlicherweise unter Blattrost (Puccinia triticinia oder so) und das ist fatal für die Kornfüllung. Ich werde jetzt Knöterichextrakt spritzen, das soll angeblich helfen. Knöterich wächst ja sowieso als invasives Kraut überall ;-)
Ich vermute dass der Weissklee am Boden eine wichtige Rolle in der Gesundheit der Wintergetreide einnimmt, mein Vorschlag ist, dass der Weissklee antagonistische endophytische Mikroorganismen gegen Getreide-Krankheiten fördert. Das ist aber noch eine wage Hypothese, könnte aber durchaus Tatsache sein. Endophyten sind laut Definition Mikroorganismen, welche in den Zellzwischenräumen und in den Zellen der Pflanzen leben, dazu gehören auch Pathogene, viele sind jedoch asymptomatisch und unter Umständen wachstumsfördernd und krankheitsunterdrückend. Das ist aber noch ein etwas entferntes Thema.

viele Grüsse,
Jonas


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 Betreff des Beitrags: Re: bestmögliches Pflanzenwachstum mit Terra Preta
BeitragVerfasst: Di 1. Jul 2014, 06:28 
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Registriert: Fr 3. Jun 2011, 08:12
Beiträge: 77
Wir haben unter ein paar Obstbäumen auf die Baumscheiben Terra Preta ausgebracht, Aprikosenbaum hat sich prächtig entwickelt, zuvor war er eher immer kränklich, ein Kirschbaum hat heuer das 1. Mal Früchte getragen, weiß natürlich nicht, ob das mit der Baumscheibenversorgung zusammenhängt- aber nach 1o Jahren war das jetzt ein sehr freudiges Ereignis.
Bis jetzt hatte ich immer zu wenig von dieser schwarzen Erde- es reichte für das Gemüse, dann für die Blumen, die Beerensträucher.
Die nächste Aktion wird sein, dass wir eine grössere Menge für die Obstbäume herstellen müssen, meine Vermutung, die Bäume brauchen auch Nährstoffe- und werden anfällig, weil sie hungern.


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 Betreff des Beitrags: Re: bestmögliches Pflanzenwachstum mit Terra Preta
BeitragVerfasst: Di 1. Jul 2014, 10:47 
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Registriert: Do 13. Jan 2011, 12:32
Beiträge: 107
Hallo Hobbygärtnerin !

Dieselbe Erfahrung mache ich auch. Das Terra-Preta läßt alles viel besser wachsen. Ich habe mir schon seit 3 Jahren im Frühjahr einen großen Haufen gemacht mit Holzigem Material, Pferdemist und noch allerlei organischem Material. Im Herbst oder Frühjahr verteile ich ihn dann überall. Das Urgesteinsmehl gehört auch dazu. Das füllt das Mineraliendepot im Boden wieder auf und fördert auch das Bodenleben. Das Urgesteinsmehl wirkt oft Wunder.

lg. elis

Die Folie habe ich jetzt abgenommen und gieße ihn immer mal mit EM-aktiv und Urin.


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verkleinert-Terra-Preta ansetzen 0314.jpg
verkleinert-Terra-Preta ansetzen 0314.jpg [ 77.33 KiB | 2564-mal betrachtet ]
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