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 Betreff des Beitrags: Re: Pflanzen gießen mit Urin
BeitragVerfasst: Di 18. Feb 2014, 19:56 
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Registriert: So 15. Dez 2013, 07:45
Beiträge: 38
Hallo Jonas,
ich finde es immer wieder beeindruckend, wo du all die Zahlen herbringst. Ich verlasse mich nämlich meist auf mein Gefühl. Und da Pflanzen meines Erachtens etwas langsamer reagieren als wir Menschen (man könnte auch sagen, Pflanzen sind meist nicht so ungeduldig), weiß ich aber nie so genau, ob mich mein Gefühl am Ende nicht doch täuscht. Also 4,5Kg N ist nicht wenig. Jetzt aber doch ein bisschen Rechnerei. Wenn ich jährlich ca. 600 Liter Urin ausscheide (bei einer täglichen Dosis von ca. 3 Liter - an mir gemessen seit 16.12.2013 wären es gar 1095 Liter - oha!) müsste es bei einem durchschnittlichen N- Anteil von 4% 24 "Liter" (wie rechnet man das in Kilo?) bzw. knapp 44 "Liter" sein. Da aber dieser Anteil vermutlich sehr schwankend ist, gemäß dem Spruch "du pisst was du isst", ist mir dieses Zahlenspiel zu viel. Ich probiere lieber.
Soweit kann ich zumindest feststellen, dass ich an meinem "Testurin" von 16.12.13 immer noch keinen Ammoniak Geruch ausmachen kann. Er färbt sich zwar ins dunkelorange, aber riecht eher säuerlich, nicht unangenehm. Die Temperaturen Nachts sind etwa vier Grad, die Lufttemperatur Tagsüber geht zwischen 15-20 Grad. Am Boden, wo die Kübel stehen, hat es aber wohl nicht mehr als 10 Grad. Das würde aber bedeuten, dass sich Urin in den Wintermonaten doch ohne weiteres lagern ließe. Meine Idee, die ich derzeit in einer eher privaten Versuchsreihe teste ist, den Urin den Winter über zu sammeln, um ihn dann im Laufe des Frühjahrs mit dem Dügermischer möglichst konzentriert an die Pflanzen auszubringen. Also die Flüssigkeit muss verbraucht sein, bevor es richtig warm wird. Dann sollten eigentlich die Nährstoffe in der Topferde angekommen sein und von den Pflanzen abgerufen werden können. Das ist der Idealfall. Im ungünstigsten Fall gibts mit zunehmender Bodentemperatur viel Ammoniak und dadurch ein toxisches Bodenmilieu. Aber Grundsätzlich müsste das Lagern von Urin auch ohne Einbeziehung von Kompost gehen. Für meine Arbeit brauche ich Dünger in flüssiger Form. Deshalb hake ich immer so auf dieser Lagerung so rum. Also fürs Erste möchte ich versuchen, soviel Urin wie möglich auf eine von mir bestimmte Pflanzenfläche auszubringen in der Hoffnung, dass da "nichts anbrennt" im wahrsten Sinne des Wortes. Aber ehrlich gesagt kann ich mir das sowas von überhaupt nicht vorstellen. Eher noch, dass da viel zu wenig an Dünger reinläuft in die Töpfe. Aber, ich werde so gut ich kann berichten. Wenn du nur vielleicht noch einen Tipp Wirkungsweise von Urin nach Ausbringen hättest, vor allem was die Urease betrifft. Wie war das mit der Nitrifikation? Ammonium-Nitrit-Nitrat? Oder wie? Zu viel Theorie bringt mich immer etwas durcheinander. Aber wenn die Umwandlung in pflanzenverfügbares N im Boden stattfinden könnte, dann würde das mit meiner Flüssiglagerungstheorie von Urin funktionieren. Was meinst du?
Herzliche Grüße
Thomas


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 Betreff des Beitrags: Re: Pflanzen gießen mit Urin
BeitragVerfasst: Di 25. Feb 2014, 06:05 
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Registriert: So 15. Dez 2013, 07:45
Beiträge: 38
Ich glaube, das passt noch zu diesem Thema. Ich habe vergangene Woche einen kleinen Versuch aufgebaut, mit dem ich diese so oft zitierte Gefahr des Verbrennens der Pflanzen beim gießen mit Urin etwas genauer beobachten wollte. Wie in den angehängten Bildern sichtbar, hab ich am 18.02 zwei Teller mit Küchenkrepp als saugfähige Unterlage ausgelegt und darauf jeweils gefühlt gleiche Menge an Kressesamen ausgesät. Ein Teller ist auf dem Bild mit einer Wäscheklammer markiert. Das ist der Teller um den es mir geht. Am 21.02 waren die Samen soweit gekeimt, dass ich mit meiner kleinen Versuchsreihe beginnen konnte. Am 22.02 hab ich den Teller mit der Wäscheklammer mit 20ml Urin, gemischt mit 20ml Wasser gegossen. Den Vergleichsteller nur mit 40ml Wasser. Am 23.2 nochmal das Gleiche. 20ml Urin und 20ml Wasser, gegenüber 40ml Wasser. Das "Ergebnis" am 24.2 bzw. 25.2 sieht für mich folgendermaßen aus: Von Verbrennungen ist nichts zu sehen. Der "Urinteller" hat meines Erachtens wesentlich dunklere, fast blaugrün beblätterte Kressesämlinge. Der Vergleichsteller hat etwas grüngelbe Pflanzen, die auch etwas länger und weicher zu sein scheinen. Was mich grundsätzlich nicht wundert, weil Urin hier offensichtlich seine Düngerwirkung entfaltet. Dunkelgrüne Blätter deute ich auf einen hohen Stickstoff Gehalt und der kompakte Wuchs auf einen recht hohen Salzgehalt. Durch diesen Salzstress bleiben die Pflanzen kompakter. Das wurde auch schon vor einigen Jahren bei einem Versuch im Institut für Bodenkunde in Weihenstephan bei Stiefmütterchen beobachtet. Damals hat man Kalkammonsalpeter als sogenanntes "Stauchemittel" für Pflanzen empfohlen um die Pflanzen möglichst kompakt zu halten. Ich wollte eigentlich nur sehen, ob die Pflanzen kaputt gehen. Bevor ich diesen Kressetest machte, hab ich in meinem Vorgänger Teller an Kresse eine Ladung unverdünnten Urin gekippt, um eine mögliche Verbrennung zu beobachten, aber nichts. Das hat mich auf diese Idee gebracht. Natürlich müsste man nun den Gehalt des Urins untersuchen und was weiß ich noch alles, um eine allgemeingültige Aussage zu treffen. Mir gings ja nur um Grundsätzliches. Und das heißt für mich nach wie vor: Sooooo scharf ist (mein) Urin nicht, dass er sofort Pflanzenschädlich wirken könnte. Ich gehe davon aus, dass es sich mit anderem Urin nicht anders verhält.
Herzliche Grüße
Thomas


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Dateikommentar: Kresse nach Keimung 22.2
2202141.JPG
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Dateikommentar: Kresse nach Aussaat
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 Betreff des Beitrags: Re: Pflanzen gießen mit Urin
BeitragVerfasst: Di 25. Feb 2014, 06:14 
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Registriert: So 15. Dez 2013, 07:45
Beiträge: 38
So. Und jetzt muss ich noch zwei Bilder hinterherschicken, da die Datei zu groß war.....
Was ich noch vergessen habe. Der mit Urin behandelte Kresseteller riecht zumindest wahrnehmbar nach demselben. Nämlich nach Urin.
Herzliche Grüße
Thomas


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Dateikommentar: Und das Gleiche nochmal aus Sicht einer Kressepflanze. Sichtbar hier die unterschiedliche Höhe.
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2502142.JPG [ 83.42 KiB | 3767-mal betrachtet ]
Dateikommentar: Die Testreihe gestern am 24.02. Rechts wieder der "Urinteller"
2502141.JPG
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Dateikommentar: Kresse am 23.2 Rechts der Teller mit Wäscheklammer ist der mit Urin behandelte
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 Betreff des Beitrags: Re: Pflanzen gießen mit Urin
BeitragVerfasst: Mi 26. Feb 2014, 08:27 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 227
Hallo Thomas

Gute Idee, der Kressetest! So wie ich das auf den Bildern sehe, ist das Wachstum auf dem Waescheklammer-teller dichter, kompakter und wohl auch gruener als auf dem Vergleichsteller.

Allerdings sind ein paar Tage als Beobachtungszeit natuerlich zu kurz; aber es sieht durchaus vielversprechend aus. Zu kurz, da zB, wenn man einige Male an eine Stelle pinkelt dann riecht es nicht; aber wenn man das laengere Zeit macht, dann entwickelt sich Ammoniakgeruch. Also ich wuerde den Test laenger fortsetzen.

Ein anderer Punkt, den ich vielleicht nicht richtig kommuniziert habe, ist die vermutliche Einseitigkeit einer nur-urin Duengung. Diese ist wohl stark N-lastig und schwach an anderen Naehrstoffen; also so eien Art Hamburger-diaet fuer die Pflanzen. Und bei Topfpflanzen noch brisanter da sehr wenig Erde als Naehrstoffpuffer vorhanden ist. Daher auch die Idee, mit waessrigem Extrakt aus aerobem Kompost aufzubessern. Kompostextrakt ist ist ein milder, aber sehr breitspekraler Fluessigduenger.

Viele Gruesse


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 Betreff des Beitrags: Re: Pflanzen gießen mit Urin
BeitragVerfasst: Mi 26. Feb 2014, 19:30 
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Registriert: So 15. Dez 2013, 07:45
Beiträge: 38
Hallo Erdgeist,
vielen Dank für deine Anregungen. Das mit dem von dir angedeuteten Ammoniak Geruch hab ich ja in meinem Nachtrag mit dem Begriff "Uringeruch" umschrieben. Dieser Kresseteller riecht tatsächlich nach Urin. Es hat sich zwar bis heute 26.02. nichts Wesentliches mehr geändert und ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass sich da noch was verändern wird. Aber im Grunde gings mir auch nur darum zu sehen, ob Urin in einer Mischung mit Wasser 1:1 (es war also kein reiner Urin) bei Sämlingspflanzen wie diesen Kressepflänzchen, Schaden anrichten kann. Noch dazu, wenn die nicht in Erde sondern auf Papiertüchern gesät sind. Pflanzenschäden sind also keine zu sehen, und damit ist es auch gut für mich. Dass Urin besser in Kompost oder in Erde gespeichert wird, mag ich gerne glauben. Aber die Vorstellung, den Bedarf von sagen wir mal wenigstens 100 Liter konzentrierte Kompostflüssigkeit zu extrahieren, übersteigt meine technische Fantasie. Pinkeln muss ich jedoch jeden Tag - und nicht nur ich! Deshalb fände ich diese Variante weitaus praktikabler als den Sickersaft auf den Kompost zu nehmen.
Dein Einwand zu dem N- lastigen Dünger stimmt natürlich. Allerdings verwende ich für meine Pflanzen fast ausschließlich Erden aus Rindenkomposten. Was denen dann als allererstes fehlt ist genau der Stickstoff, den Urin hauptsächlich bietet. Phosphor und Kali sind normalerweise lange in der Erde vorrätig. Darum wiederum diese Urin Idee.

Herzliche Grüße
Thomas


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 Betreff des Beitrags: Re: Pflanzen gießen mit Urin
BeitragVerfasst: Mi 12. Mär 2014, 16:31 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 227
Hallo Thomas!

Nur kurz:
Mit Kompostextrakt meine ich ganz normales Wasser, das man ein- oder mehrmals einfach durch aeroben, reifen oder werdenden Kompost hindurchsickern laesst; oder auch einfach etwas (aeroben) Kompost in Wasser aufruehrt. Muss innerhalb eines Tages verwendet werden(Giessen) da die aeroben Kompost-Mikroben im Wasser natuerlich bald absterben und dann kann der Extrakt in die Faeulnis kippen, also beginnt zu stinken.

Viele Gruesse


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 Betreff des Beitrags: Re: Pflanzen gießen mit Urin
BeitragVerfasst: Do 13. Mär 2014, 18:51 
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Registriert: Do 10. Jan 2013, 17:15
Beiträge: 44
Hallo zusammen!

der Winter ist (zumindest voraussichtlich) vorbei und ich hab's leider mit der Kompostheizung nicht rechtzeitig geschafft. Jetzt heizt's aber ganz kräftig ein, hier zu sehen ist ein supereinfacher, superbilliger Thermokomposter den ich zusammenimprovisiert habe (bald brauche ich viel fruchtbaren Kompost). Der Komposttumbler hat bisher nur mässig funktioniert, wahrscheinlich liegt es daran dass die Luftzufuhr nicht ausreichend ist, d.h. ich habe ihn zu dicht gebaut. Was für mich beim Kompost auf den Fotos erstaunlich ist, sind diese Pilzhyphen, die das ganze Material durchziehen. Die Temperatur ist ca. 55°C, es muss also ein thermophiler Pilz sein. Das wichtigste daran ist dass dieser Pilz es überhaupt erlaubt, dass genügend Sauerstoff durch den Haufen (oder Turm) diffundieren kann. Das Material besteht aus gehäckselten Küchenabfällen, Sägemehl und Holzkohlepulver und Urgesteinsmehl. Jetzt giesse ich nach Gefühl laufend etwas Urin oben hinein um das meiste aus dem überschüssigen Kohlenstoff zu gewinnen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Pflanzen gießen mit Urin
BeitragVerfasst: Fr 14. Mär 2014, 10:42 
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Registriert: Do 13. Jan 2011, 12:32
Beiträge: 107
Hallo Jonas !

Ich gratuliere Dir zu diesem guten Pilz. In meinem Bokashikübel habe ich ihn auch des öfteren und freue mich immer drüber.

lg. elis


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 Betreff des Beitrags: Re: Pflanzen gießen mit Urin
BeitragVerfasst: Do 20. Mär 2014, 20:15 
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Registriert: So 15. Dez 2013, 07:45
Beiträge: 38
Hallo Jonas,
dein Kompostturm sieht wirklich sehr gut aus! Hast du das Material nach und nach in den Komposter gegeben? So, wie die Küchenabfälle eben anfallen? Oder hast du das Material in einem Stück gesammelt, gehäckselt und dann aufgesetzt? EMs waren wohl nicht dabei, in deiner Mischung, oder? Wieso hast du außer dem Holzkohlepulver noch Sägespäne dazu gegeben? Das mit deinem Komposttumbler finde ich schade, das hätte mich schon auch interessiert. Wenn aber dein Tumbler schon zu wenig Luftzufuhr hat, woher kommt dann bei deinem Thermokomposter Modell die Luft? Ich hätte nicht gedacht, dass sowas aerob überhaupt geht. Aber muss ja wohl irgendwie funktioniert haben, sonst wäre nicht so ein wunderbares Kompost Ergebnis daraus entstanden.
Herzliche Grüße
Thomas


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 Betreff des Beitrags: Re: Pflanzen gießen mit Urin
BeitragVerfasst: Fr 21. Mär 2014, 13:04 
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Registriert: So 9. Mär 2014, 00:16
Beiträge: 6
Ich bin ja gespannt auf eure Erfahrungsberichte. Selbst traue ich mich nicht dran, weil ich echt Angst vor Geruchsbelästigung habe. Aber ich warte mal ab, was Ihr so berichtet und entscheide dann, ob ich das auch mal ausprobiere.


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