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 Betreff des Beitrags: Weinberge und Terra Preta
BeitragVerfasst: Di 19. Nov 2013, 16:58 
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Registriert: So 26. Sep 2010, 21:00
Beiträge: 188
Hier eine Kundenfrage zu Terra Preta beim Weinanbau, Besonders interessant und schnell umsetzbar ist sprühen mit EM (TriaTerra-aktiv) http://www.triaterra.de/epages/62153231 ... Flasche%22

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe im Internet Ihr Angebot zur Vermittlung von Pflanzenkohle gelesen. Da ich diese gerne im Steillagenweinbau einsetzen würde, habe ich noch folgende Fragen:

1.) Muss man die Pflanzenkohle einarbeiten?
2.) Welche Menge ist auf 1 ar bzw. auf 1 ha auszubringen?
3.) Wie erfolgt die Impfung mit TriaTerra?
4.) Gibt es Nachteile wenn Herbizide eingesetzt werden müssen?

Mit freundlichen Grüßen Dr. H

Meine Antwort:
Hallo Herr Dr. H.,


1.) Muss man die Pflanzenkohle einarbeiten?
1) Gerade bei den Weinpflanzen mit den tiefen Wurzeln wirkt die Terra Preta eigentlich nur wenn sie eingearbeitet wird. Sprich beim oder vor dem pflanzen großzügig Terra Preta in die Pflanzlöcher oder tief einarbeiten 50 cm.
Ansonsten kommt die Terra Preta nur der flach wurzelnden Begrünung/Unterwuchs des Weinberges zu gute.
Das heißt, bei einem fertigen Weinberg kann man schwierig was machen. Eine Variante sind 50 cm bis 1 m tiefe Löcher mit einem Erdbohrer gebohrt und gefüllt/gepresst mit frischem oder schon gereiften Terra Preta Material. 1-2 Löcher pro Pflanze.

2.) Welche Menge ist auf 1 ar bzw. auf 1 ha auszubringen?
2) Langfristig möchte man 2kg=6 l Pflanzenkohle pro m² ausbringen, gemischt mit mindestens 60 l organischem Material.

3.) Wie erfolgt die Impfung mit TriaTerra?
3) Die Pflanzenkohle muß aktiviert werden. Das heißt, mit Mikroorganismen besiedelt werden und mit Nährstoffen (vor allem Stickstoff) aufgeladen werden. Das geschieht am besten über Stapelkompost/Stapelmist in dem Pflanzenkohle nach Volumen mit ca. 10 % zugesetzt wird.
Z.B. Traubentrester und anderes Material mit 10% Pflanzenkohle und etwas Gesteinsmehl oder Bentonit vermischen, mit TriaTerra-aktiv (EM) 1:200 verdünnt durchfeuchten, feststampfen, mindestens 4 Wochen abdecken mit Folie und dann direkt ausbringen oberflächlich und oder in Erdlöcher bzw. Pflanzlöcher.
Unbehandelte, reine Pflanzenkohle ist in den ersten Jahren ein Stickstoffräuber und senkt oft den Ertrag.

4.) Gibt es Nachteile wenn Herbizide eingesetzt werden müssen?
4) Je mehr organisches Material anfällt desto besser für Humusentwicklung und die Ausbildung einer Terra Preta. Das einfachste ist natürlich das organische Material vor Ort aufwachsen zu lassen. Ein gesteuerter Unterwuchs im Weinberg ist also von großem Vorteil, wegen der riesigen Mengen an Wurzelmasse und Grünmaterial die vor Ort anfallen. Das Ökoweinbauinistitut Delinat hat dazu und zu Terra Preta einiges an Forschung:
http://www.ithaka-journal.net/begrunung ... -ruckblick
http://www.ithaka-journal.net/biodivers ... irqualitat
http://www.ithaka-journal.net/erdbeeren ... ischkultur
Ansonsten sind Herbizide kein direktes Problem und werden in einem lebendigen Boden schnell abgebaut.


Interessant ist für den Weinbau die regelmäßige Sprühung mit TriaTerra-aktiv (=EMa) 5-10 l /ha mindestens 1:10 verdünnt. EM kann mit allem kombiniert werden (Herbiziden, Fungiziden und Flüssigdüngern usw.) Fungizide funktionieren in Kombination mit EM viel besser. Bei regelmäßiger Anwendung dieser Milchsäurebakterien-Hefenmischung (EM) ist kein Fungizid mehr nötig, auch viele andere Krankheiten werden vermindert und die Qualität deutlich gesteigert (Zuckergehalt, Antioxidationspotential, Geschmack). Düngemittel sowohl organische wie mineralische werden mit EM besser umgesetzt und können meist reduziert werden.
Am besten sprüht man EM bei jeder Überfahrt in Kombination mit Flüssigdünger, Herbizid, Fungizid usw. etwa alle 2 Wochen bis maximal 4 Wochen in der Saison beginnend vor dem Austrieb der ersten Knospen.


Schönen Gruß Marko Heckel


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 Betreff des Beitrags: Re: Weinberge und Terra Preta
BeitragVerfasst: Sa 25. Jul 2015, 22:38 
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Registriert: Do 23. Jul 2015, 22:12
Beiträge: 7
Hallo,
tut mir leid dass ich diesen alten Thread ausgraben muss, aber als interessierter Winzer in Sachen Terra Preta etc ist Dieser deal für mich =)

Also ich bin Winzer und würde gerne Terra Preta einsetzten, jedoch haben mich hier ein paar Dinge nachdenklich gestimmt:

Zitat:
1.) Muss man die Pflanzenkohle einarbeiten?
1) Gerade bei den Weinpflanzen mit den tiefen Wurzeln wirkt die Terra Preta eigentlich nur wenn sie eingearbeitet wird. Sprich beim oder vor dem pflanzen großzügig Terra Preta in die Pflanzlöcher oder tief einarbeiten 50 cm.
Ansonsten kommt die Terra Preta nur der flach wurzelnden Begrünung/Unterwuchs des Weinberges zu gute.
Das heißt, bei einem fertigen Weinberg kann man schwierig was machen. Eine Variante sind 50 cm bis 1 m tiefe Löcher mit einem Erdbohrer gebohrt und gefüllt/gepresst mit frischem oder schon gereiften Terra Preta Material. 1-2 Löcher pro Pflanze.

Muss die Einarbeitung wirklich so tief sein? Bei Kunstdüngern zB arbeitet man auch nur in einer Tiefe von 10-20cm

Zitat:
2.) Welche Menge ist auf 1 ar bzw. auf 1 ha auszubringen?
2) Langfristig möchte man 2kg=6 l Pflanzenkohle pro m² ausbringen, gemischt mit mindestens 60 l organischem Material.

Dieser Punkt verwirrt mich am Meisten. Was bedeutet langfristig? Einmal ausbringen damit es lange Zeit anhält oder jährlich eine Teilmenge, oder wie?

2kg/m² wird extrem teuer.
1ha =10.000m² Bei triaterra zB kostet die Tonne Kohle 1100€, also würden dann alleine die Pflanzenkohle für 1ha Weinberg 22.000€ kosten...
Dazu kommen dann noch die 600.000l (wird umgerechnet so 200.000kg sein) organisches Material - keine Ahnung woher man soviel nehmen soll ^^

Kann es sein dass die Angeben nicht ganz korrekt sind, oder habe ich hier irgendwo einen Fehler drin, weil so rentiert sich das Ganze leider nicht =/


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 Betreff des Beitrags: Re: Weinberge und Terra Preta
BeitragVerfasst: Di 28. Jul 2015, 15:22 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 227
Payne hat geschrieben:
=>Muss die Einarbeitung wirklich so tief sein?
=>Was bedeutet langfristig?
=>2kg/m² wird extrem teuer.

Hallo @Payne

Gleich vorab: ich bin nur ein Kleingaertner, also sicher kein Experte fuer Weinberge.

Beim Terra_Preta- oder Holzkohlebokashi-Ansatz geht es nicht so sehr darum, Duenger einzubringen, sondern darum, einen tiefgruendig hochaktiven Boden zu schaffen (Holzkohle+Biomasse+ev. mineralische Zuschlaege+Verrottung oder Fermentation = dauerhaft hochaktiver Boden).Dieser hochaktive Boden produziert dann Humus als Duenger; aus der eingebrachten Biomasse.Man muss das Bodenleben natuerlich immer wieder fuettern dazu, mit Biomasse die man entweder regelmaessig herbeischafft oder als Bodenbewuchs vor Ort gewinnt und dann aufmulcht.Wenn man mit anaerober Fermentation arbeitet, dann kann man mehr in die vertikale Dimension gehen, Also tiefer in den Boden.Man kann die (grosse Menge) Biomasse auch in Etappen einbringen statt alles auf einmal. Daher wohl die Phrase 'langfristig'. Die grosse Tiefe des aktiven Bodens kommt natuerlich besonders Tiefwurzlern zugute, und sie verbessert das Wasserhaltepotential der Erde.Tief ist gut.

In einem Weinberg wuerde ich nur die direkte Umgebung jedes Stockes betrachten/bearbeiten; vielleicht ~1 m2 pro Weinstock. Damit waere nur etwa 1/4 bis 1/5 der Weinbergflaeche zu berechnen. Aber in der Tiefe wuerde ich keine Kompromisse machen. 1 Meter tief. Und 6 Ltr Holzkohle sind fuer mich eher das Minimum, besser mehr. Viel mehr, denn auch die indigene amazonische Terra Preta enthaelt viel mehr als 6 Ltr/m2. Man kann auch die Kohle in Etappen einbringen, und da sie nicht verbraucht wird summiert sie sich mit der Zeit.

Viele Gruesse!


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 Betreff des Beitrags: Re: Weinberge und Terra Preta
BeitragVerfasst: So 2. Aug 2015, 22:40 
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Registriert: Do 23. Jul 2015, 22:12
Beiträge: 7
Hallo Erdgeist,
danke für dein Posting. Hab vor ein paar Tagen mit Marko Heckel gesprochen und einige Unklarheiten beseitigt.

Zur Tiefe:
Also natürlich wär es gut das Kohlenbokashi einen Meter tief zu vergraben, aber laut Marko kann es auch oberflächlich ausgebracht werden. Durch die Durchwurzelung von Pflanzen Regen usw dürfte sich mit der Zeit die Kohle auch so vermischen und mehr in die Tiefe gehen. In meinem Fall würde ich das Kohlenbokashi oberflächlich ausbringen und dann mit einem Grubber ein paar cm in den Boden einarbeiten. Tiefer geht im Weinbau leider kaum (es gibt keine Geräte dafür)

Deine Idee nur den direkten Stockbereich zu bearbeiten ist prinzipiell nicht schlecht, lässt sich aber maschinell schwer umsetzten. Speziell mit der Tiefe geht direkt beim Stock Garnichts, da die Gefahr die Wurzeln zu verletzten meiner Erachtens viel zu groß ist.

6l Holzkohle dürften wirklich ziemlich das Minimum sein. Aber kommt wahrscheinlich auch auf den Bodentyp drauf an. Sandiger oder steiniger Boden wird mehr benötigen als "fetter" Tonboden zB.

Im Großen und Ganzen aber leider nur rentabel wenn man sich die Holzkohle selbst herstellt. Dies werde ich vielleicht in nächster Zeit mal probieren, aber bis dahin versuch ich mit kohlelosem Bokashi ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Weinberge und Terra Preta
BeitragVerfasst: Fr 7. Aug 2015, 14:50 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 227
Payne hat geschrieben:
Tiefer geht im Weinbau leider kaum (es gibt keine Geräte dafür)
Selber bauen. Einen Stahlstab der mit Spielsitz in einem Rohr sitzt und gemeinsam mit diesem etwa 80cm vom Stock eingetrieben wird. Danach den Stab aus dem Rohr ziehen und dieses mit (halbfluessigem) Kohlebokashi fuellen, danach auch das Rohr ausziehen. Durchmesser ~80 mm sollte eigentlich funktionieren.

(nur ein Vorschlag)

Zitat:
Im Großen und Ganzen aber leider nur rentabel wenn man sich die Holzkohle selbst herstellt.
zB so:

http://www.ithaka-journal.net/kon-tiki- ... produktion

In der Erdgrube, rundum erhoeht mit ein paar Steinen und der ausgehobenen Erde, habe ich das schon gemacht. Funktioniert bestens. Tipp: immer nur Holz von etwa gleicher Staerke auf einmal nachlegen und ab und zu mal einen Arm voll duenner Zweige. Am Anfang geht es etwas langsam aber sobald man ein gutes Glutbett hat kommt man fast nicht mehr nach mit dem Nachlegen. Sowie die Grube voll ist mit Glut, mit reichlich Wasser abloeschen. Nachteile: eigentlich gutes Holz wird verfeuert anstatt nur Spaene, und die Abwaerme wird nicht genutzt.

Daher brenne ich Kohle aus Spaenen (vom Brennholzschnitt) und gehaeckseltem Thuja-Schnitt in einer Stahldose im Holzofen waehrend des Winters, so ~ 120-250 Ltr pro Jahr.

Viele Gruesse!


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