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 Betreff des Beitrags: Langfristige Anwendung von EM im Boden
BeitragVerfasst: Fr 8. Dez 2017, 10:33 
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Registriert: So 20. Mär 2016, 13:02
Beiträge: 27
Ich habe eine Frage zur Anwendung von EM im Garten. Die dortige Anwendung als Bodenhilfsstoff ist ja wohl einer der ursprünglichen Ansätze, um Düngemittel und Pflanzenschutzmittel einzusparen (besser naturfremde Mittel ganz entfallen zu lassen).

Marko Heckel schreibt hier auf einer der Info-Seiten:
Zitat:
Der einzige Nachteil von EM ist, dass es regelmäßig und langfristig angewendet werden muss damit es wirken kann.

Das "langfristig" ist nachvollziehbar. Biologische Vorgänge benötigen ihre Zeit. Wenn man schon zur Erzeugung von vollausgereiftem Kompost in der Sonderzone Kompostmiete bis zu zwei Jahre veranschlägt, dann muss man für nachhaltige Positiv-Änderungen im Boden sicher in Zeiträumen denken, die nicht kleiner sind.

Ich habe aber noch keine Antwort auf die Frage des "regelmäßig" gefunden. Verständlich ist, wenn man zur Einleitung der Gesundung des Bodens eine entsprechende Initialisierung setzt, die bei einseitigen, verarmten oder gar toten Böden um so massiver erfolgen müsste.

Ansonsten haben doch aber die Mikroorgansimen die Fähigkeit, sich zu reproduzieren, wenn sie sich in ihrem urnatürlichen Milieu wiederfinden und ihre Lebensbedingungen ihren Erwartungen entsprechen. Eine (ermöglichte) Eigenreproduktion ist hinsichtlich Nachhaltigkeit sicher höher zu bewerten, als wenn der Mensch Boden und Pflanzen versorgen, düngen, behandeln muss - zumal es ja wenige bis gar keine Menschen gibt, die die Komplexitäten, die im Boden ablaufen, wirklich und vollständig verstanden haben und die Natur verbessern können.

Wenn ich also neben einer Initialisierung meinen Boden naturnah bewirtschafte (Vielfalt über Mischkulturen und Fruchtfolge statt Monowirtschaft, durchgehende Bodenbedeckung mit Pflanzen oder wenigstens Mulch, minimalinvasive Bodenbearbeitung, Biomassezuführung per Gründüngung und Kompost u.a.) ... woraus würde sich dann eine Notwendigkeit ableiten lassen, regelmäßig mit EM zu gießen?

Nebenbei variieren dann gegebene Anwendungsempfehlungen von zweimal im Jahr bis zweiwöchentlich, die Anwendungsmenge bzw. Verdünnung ist dann auch unterschiedlich - der Plan hinsichtlich des Bodens scheint damit nicht wirklich klar. Sicher wird man mit einer Überversorgung mit EM keinen Schaden anrichten. In der hobbygesteuerten Blumentopfgärtnerei ist es nicht so maßgeblich, aber wenn man seine Kenntnisse und Arbeitsmethoden auf hektargroße Flächen überträgt, spielen spätestens da auch eigenwirtschaftliche Interessen, also die Kosten, auch eine Rolle.

Wer also kann mir das fehlende Bausteinchen für meine Überlegungen liefern?

Mit freundlichem Glück Auf!
ebs


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 Betreff des Beitrags: Re: Langfristige Anwendung von EM im Boden
BeitragVerfasst: Mo 11. Dez 2017, 15:46 
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Registriert: So 26. Sep 2010, 21:00
Beiträge: 188
Hallo ebs,

in der Tat es gibt hunderte verschiedene Dosierungen und Zeiten zur Anwendung von EM im Garten zum Gießen usw.
Das liegt daran, das fast alles funktioniert.

Ansonsten gilt die überspitzte Regel von Prof. Higa "Wenn es nicht funktioniert, nimm mehr EM!".

Es kommt auch darauf an, was man erreichen will, bzw. wie gut oder schlecht die Ausgangssituation und Begleitmaßnahmen sind.

Im Sonderkulturanbau (Profi: Gewächshaus, Früchte, Gemüse) sollte man mindestens jede Woche EM ca. 1:20 verdünnt sprühen zur Vermeidung von jeglichem Insektenbefall, Virenerkerankungen, Pilzerkrankungen, für perfekte Früchte, perfektes Aussehen, perfekte Qualität und Haltbarkeit, und optimalen Ertrag. Es lohnt sich.
Dazu mindestens 1 Tag pro Woche Bewässerung mit 1:1000 verdünnt EM.

Im Hausgarten ist das nicht zu leisten und nicht nötig. Kleine Schönheitsfehler sind kein Problem und die letzen 20% Ertrag mit dem Aufwand braucht man nicht. Hier kann man einmal im Monat in der Saison sprühen oder gießen. Selbst nur 2-3 mal Gießen im Jahr zur rechten Zeit (Jugendentwicklung) hat schon einen Großteil des Effektes.

Des weiteren hängt die Frequenz und Menge der EM-Anwendung von den begleitenden negativen und positiven Einflüßen ab. Bodenbearbeitung, Qualität der Düngung, , Gifte, immergrüner Acker/Beet, Umgebung usw. . Es ist die oft besprochene Waage der Mikrobiologie die sich ins positive oder negative neigen kann und mit EM legen wir ein Schwergewicht auf die Positivseite und die Frage ist wieviel Gewichte liegen sonst auf den Positiv- und Negativseiten. Und natürlich kann man auch komplett biologisch ohne EM arbeiten mit gutem Erfolg, wenn man genug andere positive Einflüsse nimmt.
EM ist nur eine sehr einfache und günstige Möglichkeit die Waage der Mikrobiologie positiv zu beeinflussen.

Gruß Marko


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 Betreff des Beitrags: Re: Langfristige Anwendung von EM im Boden
BeitragVerfasst: Do 14. Dez 2017, 15:33 
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Registriert: So 20. Mär 2016, 13:02
Beiträge: 27
Recht vielen Dank für die inhaltsreiche Antwort.

Das Besprühen der Pflanzen lag außerhalb meiner Betrachtung. Da muss ich noch einmal nachdenken. Anzugehendes Problem wäre da eigentlich nur die Braunfäule an Tomaten. Ich brauche viele Tomaten und habe da etwa 30 Pflanzen ("Rosinentomate" Tomaccio, Populationssorte und damit selber nachziehbar) für den Eigenverbrauch, wobei nur eine Mindermenge in einem kleinen Gewächshaus steht, die Masse aber im Freiland bestehen soll.

Das regelmäßige Gießen mit EM werte ich dann folgendermaßen: Der gesunde ausgewogene Boden wird für einen Ausgleich und damit für einen Abbau von Dominanzen sorgen, somit auch einen Abbau von gewünschten Dominanzen herbeiführen, die dann somit "künstlich" wiedererweckt werden müssen.
Das Abfangen von Störungen durch Einbringung von Fäulnis wie z.B. von frischem Mist, der flächenhaft und wiederholt eingebracht wird, ist dann als vorbeugende Maßnahme klar. Einiges, was man aus gutem Glauben tut, hat eben noch einige weitere Wirkungen als die vorgesehenen (Biomasse- und Nährstoffzufuhr).

Zitat:
EM ist nur eine sehr einfache und günstige Möglichkeit die Waage der Mikrobiologie positiv zu beeinflussen.

Das möchte einfach dick unterstreichen. Es ist einfach, den Inhalt einer Flasche zu verdünnen und per Sprühen oder vergießen auszubringen. Zudem ist EM immer und in gleicher Qualität verfügbar. Ich habe gerade den Verbrauch der letzten 0,33 Liter Tria Terra aktiv aus einer Lieferung von 15 Litern im Frühjahr 2015 eingeleitet. Ein offensichtliches Verderben der Lösung kann ich nicht beobachten. Die 0,33 Liter rühren daher, dass ich beim Anbrechen eines größeren Gebindes den Inhalt in kleinere umfülle, dabei sind dann kleine Flaschen eines Cola-Herstellers beteiligt.

"Einfach" wird auch ersichtlich, wenn man sich, schon aus Überlegungen von geschlossenen Kreisläufen mit örtlich verfügbaren Stoffen und Materialien heraus, mit indogenen Mikroorganismen als Alternative beschäftigt.
Pflanzenjauchen, Hornmist, Entnahme von Pflanzen inklusive Mikroben aus örtlichen urbanen Lebensräumen tun einer gesunden Mikrobiologie im Boden gut, schon weil es Vielfalt erhöht. Die intellektuelle Auseinandersetzung damit macht auf jeden Fall Spaß (wenn man auch über EM nachdenken mag) und erweitert Horizonte, ist aber immer etwas Arbeit. Wie dann das Produkt eigener Tätigkeit wirklich wirkt und EM ergänzt oder ersetzt oder ob nur der Glaube wirkt - ohne Labor mit entsprechenden Kenntnissen sowie nötigen Langzeitbetrachtungen (Jahre) wird man das wohl nicht herausbekommen.

An der Stelle würde ich mal bemängeln wollen. dass EM recht oft als Sauerkrautsaft vereinfacht wird. Diese Vereinfachung schlägt sehr schnell auf das Denken über. In dieser Darstellung wird die Rolle der Photosynthesebakterien stärker beleuchtet. Die Nutzung von Lichtanteilen im Boden und das direkte Füttern von Pflanzen wären für mich nachvollziehbare Vorteile hinsichtlich ertragreicherer Pflanzen.
Eine Eigenisolierung von Photosynthesebakterien aus der Umwelt und eine mengenmäßig ausreichende Bereitstellung ist dann nach meinem Wissensstand deutlich aufwändiger als die Gewinnung einiger Milchsäurebakterien aus Sauerkrautsaft oder Joghurt wie dann auch der Einsatz von etwas Backhefe.

Daneben besteht auch noch das Mysterium, dass die Wirkung der EM auch auf der gemeinsamen Vermehrung der Einzelkomponenten beruht und damit etwas mehr oder anderes ist als das pure Zusammenfügen der Einzelkomponenten.

Mit freundlichem Glück Auf!
ebs


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 Betreff des Beitrags: Re: Langfristige Anwendung von EM im Boden
BeitragVerfasst: So 17. Dez 2017, 14:21 
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Registriert: So 20. Mär 2016, 13:02
Beiträge: 27
Zitat:
Das Besprühen der Pflanzen lag außerhalb meiner Betrachtung. Da muss ich noch einmal nachdenken.

Da ist das Anschauen eines Videos hilfreich: EM im Ackerbau - wenig aber oft sprühen, mit allem mischbar

Fazit: Das Besprühen der Pflanzen kann Effekte haben, die der Boden in dieser Form nicht hervorrufen und leisten kann (die Fahrstühle nach oben sind spezifisch und begrenzt).
Ein Regen wird dann einen Teil oder alles der verbliebenen wirksamen Mikroben in den Boden spülen, die dann auch dort ihren Beitrag leisten können.
Ein solcher Ablauf fühlt sich schlüssig an. Vielen Dank noch einmal für die bereitgestellten Informationen.

Mit freundlichem Glück Auf!
ebs


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 Betreff des Beitrags: Re: Langfristige Anwendung von EM im Boden
BeitragVerfasst: Di 19. Dez 2017, 17:25 
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Registriert: So 20. Mär 2016, 13:02
Beiträge: 27
Das Besprühen der Pflanzen mit EM dürfte folgendes Thema berühren und positiv beeinflussen:
Oxidativer Stress bei Pflanzen

Mit freundlichem Glück Auf!
ebs


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 Betreff des Beitrags: Re: Langfristige Anwendung von EM im Boden
BeitragVerfasst: Sa 23. Dez 2017, 09:35 
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Registriert: Sa 20. Jun 2015, 15:46
Beiträge: 58
Holz-Kohle im Boden, sprich: Terra Preta, ist doch DER Speicher für die Abfall-, die Stoffwechsel-, Produkte der Mikroorganismen.
Und der gesamte Boden - also nicht nur die Holz-Kohle - das Milieu, in dem die Mikroorganismen leben und sich vermehren.

Ob Terra Preta am Amazonas mit EM behandelt wurde, schließe ich mal aus.
Doch müssen letzt-endlich auch dort die Mikroorganismen unterschiedlichster Arten sich angesiedelt haben, um die Mengen an Nährstoffen in der Holz-Kohle ansammeln zu können.
(Anders kann ich mir aktuell die Wirksamkeit der Fruchtbarkeit dieser Erde nicht vorstellen.
Neben der besseren Wasser-Speicher-Wirkung.
Auch die Vermehrung der Erde kann nicht möglich sein, ohne daß die Pflanzen die Nährstoffe ausreichend aus dem Boden erhalten.)

Wie immer das dort passiert ist.
Aber, mit der Kenntnis über - und der Verfügbarkeit von - EM ist es für mich klar, daß ich Terra Preta immer mit EM mit ansetze.
Allerdings mache ich EM komplett selbst, und bin auf kein immer wieder zu erwerbendes Grund-Produkt angewiesen.
Zudem aktiviere ich nicht, und kann unaktiviert ewig vermehren, mit ab und an etwas auffrischen, mit wenigen Zutaten.
Das wird dem einen oder anderen Händler nicht gefallen.
Ich komme allerdings auch nicht auf die Menge an 80 Arten Mikroorganismen, muß ich aber auch nicht, für mich offensichtlich.
Und wer die 80 Arten will, und wer nicht selbst produzieren möchte oder kann, kann und wird sich über jeden existierenden Händler freuen.


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