Terra Preta Forum

Informationen und Erfahrungen rund um das Terra Preta Phänomen

 
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 Betreff des Beitrags: Terra Preta in der Landwirtschaft
BeitragVerfasst: Mi 23. Mär 2016, 18:50 
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Registriert: Mi 23. Mär 2016, 16:10
Beiträge: 3
Hallo zusammen!

Ich interessiere mich sehr für die Nutzung von effektiven Mikroorganismen und die Herstellung von Terra Preta im Rahmen der Landwirtschaft. Ich selbst studiere Agrarwissenschaften in Göttingen und mache mir zur Zeit Gedanken, wie man EM und Terra Preta sinnvoll in unseren familiären Betrieb im Münsterland integrieren könnte.
Wir bewirtschaften knapp 50 Hektar Ackerland, hauptsächlich Sandböden mit weniger als 30 Bodenpunkten. Wir wären also sehr daran interessiert die Kationenaustauschkapazität und die Bodenfruchtbarkeit insgesamt zu erhöhen.
Biomasse tritt in hauptsächlich in zwei Formen auf:
1) Aufgrund von Pensionspferdehaltung fällt Pferdemist (Hauptanteil Stroh) an. Der Verbrauch beträgt jährlich 400 – 500 Rundballen (1,55m), was grob geschätzt 200 Tonnen Biomasse Pferdemist entspricht. Etwa die Hälfte der Pferde nehmen bereits täglich EM mit dem Futter auf (20-40ml).
2) Zudem alten wir noch etwa 70 Mastbullen, die zur Hälfte auf Spalten mit darunter liegender Güllegrube stehen. Die andere Hälfte steht auf Stroh. Gefüttert werden die Bullen mit selbst angebautem Mais und Kraftfutter aus Sojaschrott und Getreide.

Für die Herstellung der Biokohle würden wir einen großen Kontiki bauen/kaufen und Laubschnitt verkohlen. Den Laubschnitt könnten wir in großen Mengen von Nachbarn bekommen.
Ein Plan ist Kohle und EM in die Pferdeboxen und Rinderställe auszubringen und diese dann zusammen mit der Biomasse aufs Feld zu bringen. Ergänzend wäre eine Behandlung der Gülle mit EM, wie es auf der Homepage beschrieben wurde.
Wir bauen neben dem Mais und Getreide noch Kartoffeln (konventioneller Anbau) an, die wir direkt vermarkten und die wir dann gerne auch auf der zu bildenden Terra Preta anbauen würden.
Insgesamt sieht meine Familie in dem Ansatz großes Potenzial, doch es gibt noch ein paar Punkte, die uns verunsichern und bisher von konkreten Schritten abhalten:
1) Wir sind sehr unsicher wie hoch die Ertragsteigerungen / reduzierten Düngemengen
sind, bzw. wann diese eintreten. (Es fällt uns also schwer abzuschätzen, ab wann das Unternehmen wirtschaftlich wäre).
2) Wir haben die Sorge, dass sich der pH-Wert aufgrund der basischen Kohle so stark erhöht, dass der Kartoffelanbau darunter leidet (Kartoffeln bevorzugen leicht saure Standorte.).
3) Was uns noch abschreckt ist die potenzielle Dioxin- oder Furanbelastung, die bei der Verkohlung entstehen kann. Gerade im Hinblick auf Kartoffelanbau können wir uns das nicht leisten.
Deshalb wollte ich mal nachfragen, ob es hier im Forum oder darüber hinaus Landwirte gibt, die Terra Preta bereits im großen Maßstab nutzen, sodass man mal ein paar Erfahrungen austauschen kann.


Gruß Jonas


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta in der Landwirtschaft
BeitragVerfasst: Mi 23. Mär 2016, 20:04 
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Registriert: Do 13. Jan 2011, 12:32
Beiträge: 107
Hallo Jonas !

Im Chiemgau haben sie ganz viele Erfahrungen mit Terra Preta in der Landwirtschaft. Rufe doch mal bei http://www.em-chiemgau.de an und lasse Dich mal vermitteln. Außerdem kann dir Marko Heckel, der Forumsbetreiber auch vielleicht weiter helfen, denke ich mal ? Wegen der Gifte in der Kohle brauchst Dir keine Gedanken zu machen. Die EM= effektiven Mikroorganismen vernichten die.

lg. elis


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta in der Landwirtschaft
BeitragVerfasst: Fr 25. Mär 2016, 05:32 
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Registriert: Mo 10. Feb 2014, 09:06
Beiträge: 222
Hallo Jonas

Ich bin zwar nur ein Kleingaertner, aber trotzdem hier ein paar Gedanken. Warum nicht einfach die Guelle fermentieren und anschliessend mit gehaeckseltem Laubschnitt kompostieren? (den Pferdemist ebenfalls kompostieren) Und Kartoffel dann in zweiter oder dritter Tracht anbauen. Wuerde, wenn man den Platz hat fuer die Kompostmieten, nur etwas Zeit und Maschineneinsatz kosten. Und ist als Rad laengst erfunden.

Wenn betreff der Vermarktung der Kartoffel Bedenken gegen etwaige Holzteer-Aromaten bestehen, dann bleibt nur, entweder auf Holzkohle zu verzichten oder vorerst auf kleinen Flaechen probeweise und die Ernte im Labor untersuchen lassen.

Wir haben "keinerlei" Bedenken gegen Kunstguenger, Pestizide, Herbizide, Gentec-Futtermittel usw, aber die Holzteer-Aromaten sind ein grooosses Problem! Wuerde mich nicht wundern wenn hinter dieser einsetzenden Hype die Schiesspulvermischer stecken wuerden.

Viele Gruesse


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta in der Landwirtschaft
BeitragVerfasst: Fr 25. Mär 2016, 09:33 
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Registriert: Di 15. Jul 2014, 11:57
Beiträge: 97
Hallo Jonas,

elis hat richtig auf Chiemgau und Marko Heckel hingewiesen. Weiter gibt es Versuche von Prof. Bruno Glaser, Uni Halle Wittenberge (früher Bayreuth) mit Terra preta-Anwendung in Landwirtschaft, Wendland. Es laufen Unmmengen von wissenschaftlichen und praktischen Versuchen. Viele allerdings im Treibhaus, Übertragbarkeit auf Freiland und Betrieb muss erst geprüft werden. Aber Du studierst ja und kannst dich in die Materie einarbeiten.

Wir starten gerade Versuche im Süden mit einem Landwirt, konventioneller Betrieb, Sandboden, jetzt mit Mais. Später viell auch mit Weizen, Kartoffeln, Treibhaus-Tomaten etc.

Selbstgebrannte Kohle aus unbelastetem Holz, Wald und Landschaftspflege. Angereichert mit Komost aus Grünschnitt und Pferdemist. Ertrags-Ergebnisse dann ab Jahresende.

Warum halten Euch Ertragsfragen vom Versuch ab? Warum nicht unter Euren Bedingungen selber erproben? Auf Teilflächen, die die Wirtschaftlchkeit des Betriebs nicht gefährden? Machen wir auch.

In einem Punkt kann ich nur empfehlen, sich genauer schlau zu machen: Betrifft "Schadstoffe". Da gibt es ziemlich verschiedene "Typen". Anorganische wie Schwermetalle, organische wie die sog. Aromaten (PAK), Dioxine, Furane. Die - sehr verständliche! - Hoffnung, Mikroorganismen würden Alles sofort beseitigen, oder das Thema werde nur von Lobbyisten gehypt, greift leider zu kurz. In Vietnam werden leider immer noch Kinder mit Dioxinschäden geboren - Jahrzehnte nach Agent Orange. Auch Grillkohle ist z.T. hoch belastet, s. unten. Eure Vorsicht bei Kartoffeln - bei allen Produkten - ist gut. Ein Fund von bedenklichen Belastungen könnte der ganzen Terra-preta-Szene sehr schaden. Zum Glück sind mögliche Probleme lösbar.

Herstellungsweisen können Probleme vermeiden. Mit einem Kon-Tiki wärt Ihr auf dem richtigen Weg. Hans-Peter Schmidt hat beschrieben, wie die Brandführung z.B. Aromaten reduziert / vermeidet. Grillkohle kann ein erhebliches Problem sein, da sie nicht für Bodenzwecke hergestellt ist und man nicht auf diese Schadstoff-Freiheit achtet. Gibts viel Informationen.

Dr. Sebastian Meyer, Schüler von Prof. Glaser hat sich ausführlich damit befasst. Analysewerte sind in seiner Doktorarbeit, weitere Daten gibt es auch von Glaser selber. (Grill-) Kohle ist nicht gleich (Pflanzen-) Kohle, aber Probleme sind heute vermeidbar. Ein EBC-Zertifikat, Mitarbeit H.P. Schmidt, Ithaka-Institut bescheinigt Belastungs-Freiheit.

Soweit an dieser Stelle. Da Du vom Fach bist, bekommst Du ja Zugang zu Infos.

Viel Erfolg

wünscht Erdfreund


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta in der Landwirtschaft
BeitragVerfasst: Sa 26. Mär 2016, 00:27 
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Registriert: Mi 23. Mär 2016, 16:10
Beiträge: 3
Vielen Dank für die Tipps und Meinungen!

Die Verweise auf das Chiemgau-Projekt, Pr. Bruno Glaser und Sebastian Meyer und Hans-Peter Schmidt helfen mir weiter.

@ Erdfreund
Zitat:
Selbstgebrannte Kohle aus unbelastetem Holz, Wald und Landschaftspflege. Angereichert mit Kompost aus Grünschnitt und Pferdemist. Ertrags-Ergebnisse dann ab Jahresende.


Mich würde sehr interessieren, wie ihr die Materialien zusammenbringt und vermischt. Könntest du mir darüber Auskunft geben? :)

Schöne Grüße

Jonas


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta in der Landwirtschaft
BeitragVerfasst: Sa 26. Mär 2016, 09:06 
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Registriert: Di 15. Jul 2014, 11:57
Beiträge: 97
Hallo Jonas,

schön dass Dir´s hilft.

Im Gartenbereich Kohle mit Kompost mischen, 5-10% aufwärts bis ca. 50 % - je nach Verfügbarkeit.

Für Feldversuche haben wir eine Kompost-Mistlege. Folie drunter wg. Sickersäften. Mischung 50 % eigene Pflanzenkohle, 50 % Humus-Mist-Mischung.

Wichtig: Alles gut durchfeuchtet, damit die Nährstoffbrühe in die Kohle einzieht.

Einige Wochen ziehen lassen. Im Gartenkompost über Winter auch ca. 1/2 Jahr. Dort Zugabe Urin möglich für N und P. Aber Vorsicht Kochsalz, hab ich in mehreren Threads geschrieben. Verdünnen.

Schnellverfahren in Größenordnung Gartenbereich: Bauwanne z.B. 90 ltr. 50-50 mit Kohle u Nährstoffen füllen, Wasser dazu bis zähe Pampe entsteht (H-P Schmidt: slurry). Paarmal gut umrühren, fast sofort bis nach wenigen Std. bis Tagen verwendbar. Kohle lädt sich blitzschnell auf. Messungen Aktivkohle: schon nach Sekunden messbar. Aber slurry nicht zu lange stehen lassen, sonst Fäulnis wg Sauerstoffmangel. Umrühren!

Kohle für Garten vorher zerkleinern, z.B. mit Spaten im Eimer zerstoßen.

Bei Güllegrube auch im Großmaßstab anwendbar - auch mit geringeren Kohle-Anteilen. Kohle-Kaskadennutzung auch als Einstreu im Stall, bindet und reduziert Ammoniak etc., gut für Tiergesundheit und Nährstoffe. Z.B. Chiemgau, Ithaka u.a. Dann aufs Feld.

Hoffe es hilft,
Beste Grüße
Erdfreund

PS: noch zur Kohle und Schadstoffen: Meiler-Köhler-Kohle kann auch belastet sein. Bedingt durch den Herstellungsprozess. Lehmabdeckung hält Rauch lange in der Kohle fest - zieht nur langsam, aber rauchend ab - verbrennt nicht. Köhler-Kohle ist auch nicht für den Boden gedacht, also kein Vorwurf. Beim späteren Brand in Ofen, Herd oder Grill können Aromaten wieder verbrennen.

Kon-Tiki mit physikalisch bedingtem "Raucheinzug" ins Feuer verbrennt PAK. Vermeidet sowohl Luft- als auch Kohle-Belastung. Bin selber immer wieder begeistert, wie der Rauch ins Feur zieht und der Brand (fast) rauchfrei verläuft. H-P Schmidt, ist zertifiziert, von Vielen bestätigt. Man lernt die Brandführung. Kann am Rauch erkennen, ob zuviel Material drauf ist, oder Flammenfront ausreicht.

Gruß Erdfreund


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta in der Landwirtschaft
BeitragVerfasst: Sa 26. Mär 2016, 12:42 
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Registriert: Di 26. Aug 2014, 16:56
Beiträge: 32
Hallo!

Ich bin zwar auch "nur" "Kleingärtner" aber hier mal meine Gedankenansätze zu dem was Du so schreibst:

Pferdemist mit reichlich Strohanteil liest sich für mich wie ein Paradis für Kompost/Mist Würmer. Und genau die würde ich dort ansiedeln. Und zwar an einer älteren Stelle des Haufens, 1 optimal 2 Jahre alt.
Die Würmer werden sich rasch vermehren, d.h. mit einer normalen Startmenge wirst Du in c.a. 1 Jahr sehr guten Wurmhumus ernten können. Durch reichlich Stroh hast Du sicher ein sehr gutes C/N - Verhältnis ==> extrem guter Kompost. Die meisten pflanzen lieben Ihn, Kartoffeln wuchern förmlich darin, selbst wenn nur kleine Schalenstücke drinnen sind.
Allerdings solltest Du Ihn außer bei Kartoffeln nicht pur verwenden, da er zu Nährstoffreich ist. Eine 50/50 Mischung mit Erde hat sich bei mir als sehr Vorteilhaft erwiesen, besonders bei Mais!
Dieser Kompost alleine ersetzt Dir wahrscheinlich schon den Meisten Düngebedarf. Es gibt auch einige Feldversuche und Studien dazu, google mal, ich habe sie mir leider nicht aufgeschrieben.
EM'S siedeln sich übrigens ganz automatisch in gutem Kompost an und werden von den Würmern vermehrt.
Nachdem Du ja wahrscheinlich regelmäßig ausbringen wirst, müsste das Deinen Boden schon nachhaltig verbessern, Regenwürmer fördern, Ertrag und Pflanzengesundheit steigern.
Ein Landwirtschaftliches Setting zur Wurmkompostierung verwendet Alfred Grand:
http://www.vermigrand.com/de/
Vielleicht auch inspirierend für Dich...

Auch eine empfehlenswerte Bezugs- und Informationsquelle für Wurmkompostierung finde ich:

www.wurmwelten.de

Terra Preta an sich macht nach meinen Informationen und Erfahrungen in Kombination mit Wulchen Sinn, denn die Kohle will ja auch wieder aufgeladen werden. Also im Prinzip kannst Du durch umstellung auf Terra Preta irgendwann auf Flächenkompostierung umstellen. Du wirst allerdings nicht ohne Zwischenfruchtanbau und Mulchen auskommen.
Ich an Deiner Stelle würde einfach das Laub zum Mulchen verwenden.

In Österreich gibt es eine Terra Preta Version inklusive Versuchfelder, die ohne EM's arbeitet. Riedlingsdorf. Dort wird auch die Riedlingsdorfer Schwarzerde hergestellt und auch gestestet, vielleicht auch interesannt zum stöbern...
www.sonnenerde.at

Bei meinem Setting verwende ich einen Trommelkomposter zum Mischen der Zutaten. Bei Deinen Anforderungen würde ich mir überlegen ob ich nicht die Biokohle bereits mit als Einstreu verwenden würde, dann mischt sie sich automatisch mit Pferdemist und Stroh. Dass das geht hat mir die Köhlerin erzählt, von der ich meinen Holzkohlestaub beziehe:
http://www.holzkohle.at/Koehlerei/Willkommen.html

Sie stellt zwar selbst keine Terra Preta her, kennt aber einige Landwirte die das tun, sie betreibt übrigens sebst eine Landwirtschaft und kann Dir sicher mit Tips aushelfen.

Viel Erfolg, Rainer


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra Preta in der Landwirtschaft
BeitragVerfasst: Do 31. Mär 2016, 20:42 
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Registriert: So 1. Nov 2015, 19:51
Beiträge: 18
eine weitere adrässe währe Gerald Dunst von http://www.sonnenerde.at/
sein buch:"Humusaufbau - Chance für Landwirtschaft und Klima"
ist ein muss! in diesem bereich mit abstand das beste was ich bisher in den finngern hate.
er beschreibt den humusaufbau mitels kompost
den einsaz von em
den einsatz von pflanzenkohle
die grundsäze für einen fruchtbaren boden.
pflugloser/armer Akerbau
einsatz von mischkulturen und dauerbegrünung.


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