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Informationen und Erfahrungen rund um das Terra Preta Phänomen

 
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 Betreff des Beitrags: Re: 3. TriaTerra-Blog Warum EM? Mythos EM!
BeitragVerfasst: Sa 29. Dez 2012, 04:31 
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Registriert: So 8. Apr 2012, 20:28
Beiträge: 20
Eigentlich wollte ich einen neuen Thread eröffnen, hababer nicht gefunden wo.
Dies ist mein erster Beitrag hier im Forum.


Hallo liebe Terra Preta – Freunde, ich hab mal mein zusammengelesenes Wissen aufgeschrieben, und es waere nett, wenn das jemand mit Anmerkungen, Kommentaren oder Korrekturen versehen koennte. Absichtlich habe ich auf die Erwaehnung von “TriaTerra” verzichtet, weil ich diesen Text, vielleicht in einer ueberarbeiteten Fasung, zu Aufklaerungs – und nicht zu Werbezwecken verwenden moechte.
Vielen Dank fuer Eure hilfreiche Mitarbeit!


Haeufig lese ich im Internet, dass Leute ernsthaft fragen: “Wie stelle ich Terra Preta her?” Und sie bekommen die ernsthafte Antwort: “Du wirfst Holzkohle auf die Erde, und hast Terra Preta. Deine Ertraege werden um mindestens 200% steigen!”

Ganz so simpel ist es nicht, deshalb fange ich bei der Basis an:

Holzkohle wird aus Holz gemacht, Pflanzenkohle aus allem moeglichem holzigen und trockenen pflanzlichen Material, z.B. auch aus Stroh. Die Eigenschaften sind die gleichen. Frische Pflanzenkohle ist so sauber wie nur irgendwas (siehe medizinische Anwendungen), da ist garantiert kein einziger Naehrstoff drin. Pflanzenkohle hat ausserdem die Eigenschaft, alles zu absorbieren und nicht mehr herzugeben (siehe hochwertige Filtersysteme). Und natuerlich die hohe Wasserspeicherfaehigkeit. Was passiert also, wenn wir Pflanzenkohle in grossen Mengen auf unserem Acker ausbringen und unterarbeiten? Zunaechst einmal wird sich der Wasserhaushalt des Bodens drastisch verbessern. Dann wird die Pflanzenkohle anfangen, den Boden zu saeubern: Wie ein Schwamm wird sie alles aufsaugen (Giftstoffe ebenso wie Naehrstoffe), und nicht wieder hergeben, bis sie satt ist. Das dauert... Fuer etliche Jahre muessen wir mehr duengen als ueblich, und die Pflanzen sehen immer hungrig aus. Das aendert sich allerdings, wenn sich mit der Zeit Bakterien und Pilze in der Pflanzenkohle ansiedeln, und die dort gefangenen Naehrstoffe fuer Pflanzen verfuegbar machen. Fazit: Zukuenftige Generationen werden zweifellos davon profitiren, aber so haben wir uns das nicht vorgestellt, wir haben da was falschgemacht.

Wie haben die Indianer am Amazonas das gemacht?

Die Terra Preta dort besteht zu etwa 10 % aus Pflanzenkohle, etwa 10 % Faekalien (laut Fraunhofer Institut entweder von Schweinen oder von Menschen)(sie hatten damals keine Schweine dort), etwa 10 % des gewoehnlichen vorkommenden nahezu unfruchtbaren Bodensubstats, etwa 5 % Kuechenabfaelle wie Knochen, Graeten, Muschelschalen etc, einem Haufen Tonscherben von grossen Gefaessen (bis 2 m Durchmesser!), und der Rest ist kompostiertes Pflanzenmaterial. O.K., jetzt haben wir die Besandteile, aber wenn wir`s genauso nachbauen, ist das Resultat zwar gut, aber nicht wesentlich anders als bei konventionellem Kompost.

Also, wie haben sie`s gemacht?

Meine Theorie ist, sie haben als Toilette einen grossen Topf benutzt, in den auch alle anderen Haushaltsabfaelle geworfen wurden: Pflanzenkohle vom Herd, Essensreste, Hausstaub, “Dreck”. Hier wird meine Theorie zur Hypothese: Es felt noch etwas! Sie muessen irgendwas als Grundnahrungsmittel gehabt haben, was viele Milchsaeurebakterien enthaelt, sowas wie Sauerkraut oder Joghurt. Der abgeschuettete Saft kam auch in den Toilettentopf. (Wenn man die Faekalien immer mit kleingestossener Pflanzenkohle abdeckt und ab und zu ein paar Milchsaeurebakterien - nennen wir sie kurz EM – Effektive Mikroorganismen - drueber kippt, stinkt es ueberhapt nicht, ehrlich!) Wenn der Topf voll war, wurde er luftdicht verschlossen und auf die Anbauflaeche gebracht, und dort noch etwa 3 Monate gelagert. Waehrend dieser Zeit koennen sich die EM vermehren und sich im gesamten Topfinhalt ausbreiten und sich speziell in der Pflanzenkohle ansiedeln. Wenn man diesen Fermentationsprozess weglaesst und den Inhalt gleich so als Duenger auf dem Feld verteilt, freuen sich die Pflanzen zwar kurzfristig drueber, aber es passiert, was mit jedem Duenger passiert: Nach 3 bis 6 Monaten ist er nicht mehr da. Er hat sich teilweise in die Atmosphaere verfluechtigt, und der Rest ist ins Grundwasser ausgewaschen. Weiter mit meiner Hypothese: Nach der Fermentation wurde der Topf zerschlagen, und derTopfinhalt mit anfallenden Ernteabfaellen und Gruenzeug aller Art in Schichten moeglichst luftdicht abgedeckt (klassisches Silage / Sauerkrautprinzip, vielleicht so wie ein Stapelkompost). --- Und dann --- fertig!
Diese originale Terra Preta ist nachweislich bis 2500 Jahre alt und heute noch so fruchtbar, dass jeder “Maerchen, Maerchen “ ruft. Trotz taeglicher Regenfaelle von Auswaschung keine Spur.
Alle Naehrstoffe sind immer noch drin und nicht an die Atmosphaere oder das Grundwasser verloren gegangen. Die EM sind immer noch in der Pflanzenkohle aktiv und machen die darin gefangenen Naehrstoffe fuer Pflanzen verfuegbar.

Ohne anerobe Milchsaeurefermentation ist kein Wunder zu erwarten.

Aber das ist doch ein natuerlicher Prozess der in der Natur von alleine stattfindet?
In der Natur gibt es nur an wenigen Orten geeignete Bedingungen (Luftabschluss). Z.B. Regenwuermer. Die lassen in ihrem Verdauungssystem EM fuer sich arbeiten. Wenn man denen Pflanzenkohlenstaub zu fressen gibt (haben sie germe, sie werden gross und dick, kraeftig dunkelrot und vermehren sich wie wild), kommt hinten astreine Terra Preta raus (ja ja, die Menge...).
Wiederkaeuer ernaehren sich ja auch nicht von Gras, sondern von den Abbauprodukten der EM in ihren diversen Maegen. Wenn wir Soja ins Kraftfutter geben, fuettern wir eigentlich die EM, damit die viel Abbauprodukte herstellen, die von der Kuh schnell aufgenommen werden. Das meiste geht aber hinten wieder raus. Da kommt schon was zusammen. Auch Kuehe sollen einen Anteil Kohlenstaub im Kraftfutter moegen. Das soll sich positiv auf ihre Gesundheit auswirken. Ebenso wenn man Pflanzenkohle als Streu benutzt. Damit haetten wir schon die wichtigsten Zutaten zusammen: EM, Pflanzenkohle und Mist. Diesen hochwertigen Rohstoff jetzt bloss nicht verfaulen lassen! Schnell luftdicht abschliessen, und die Fermentation einleiten, damit moeglichst wenig an die Atmosphaere verlorengeht. Danach die doppelte Menge Gruenzeug zugeben, und alles nochmal gut durchfermentieren lassen, quasi wie Silofutter.
Auf diesem Substrat wachsen die meisten Pflanzen sofort wie ertraeumt. Ein paar Pflanzen haben im ersten Jahr noch Schwierigkeiten. Auch die Regenwuermer ergreifen die Flucht. Ich nehme an, das liegt am Ph-Wert, der nach der Fermentation noch alles andere als stabil ist. Nach einem Jahr ist das aber abgeschlossen, und auch die Regenwuermer kommen wieder, um Orgien zu feiern. Auf diesen Boden noch Duenger zu werfen, ist wie Sand in die Wueste zu tragen. Das einzige was man jetzt noch falsch machen kann, ist das Bodenleben chemisch umzubringen. Gesunde Pflanzen sind resistenter und benoetigen deshalb weniger “Pflanzenschutzmittel”. Vielleicht findet sich auch ein cleverer Weg, sich mit dem “Unkraut” zu arrangieren. Das wichtigste ist nicht die Pflanzenkohle, die ist nur Traegermaterial. Wir brauchen die EM, um die Naehrstoffe, die nach der Fermentation darin enthalten sind, den Pflanzen verfuegbar zu machen. Wenn das Bodenleben totgespritzt ist, hat sich der Aufwand nicht gelohnt.

Wie das im grosslandwirtschaftlich-industriellem Massstab, wo ein Bauer ueber 1000 ha oder mehr Land verfuegt, realisiert werden kann, weiss ich nicht. Ein Kleinversuch, der nur wenige Kubikmeter Terra Preta ergibt, ist aber durchaus praktikabel. Man koennte damit vielleicht einen Kuechengarten anlegen. Wenn das alles wahr ist, dann sollte bei vernuenftiger Bewirtschaftung die Familie ueber Generationen hinweg immer reichlich zu Essen haben. Die alten Amazonasindianer sollen mit einem ha Terra Preta – Boden angeblich ueber 100 Menschen ernaehrt haben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra-Preta-Basis-Wissen
BeitragVerfasst: Di 19. Feb 2013, 14:47 
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Beiträge: 1
Hallo Lopho,

deine Vermutung zu den (Regen) Würmern stimmt. Würmer mögen keine sauren Böden, brauchen einen PH Wert um die 8-9 rum um gesund leben zu können.
"Gute" Milchsäure bewegt sich zwischen 1-3 und schafft es damit, alle Würmer zu vertreiben.
Es müsste einen Weg gefunden werden, wie man die Säure neutralisieren könnte, damit die Würmer sofort ihre Wirkung entfalten könnten.
In einer Wurmfarm verwendet man bei zu saurem Millieu gelöschten Kalk, aber ob man wirklich so viel Kalken kann, um einen PH Wert von 1 auf 8-9 zu bringen, ohne dabei irgendwelche ungewollten "Nebenwirkungen" zu haben müsste man ausprobieren.

Liebe Grüsse
nanomy


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra-Preta-Basis-Wissen
BeitragVerfasst: Mo 17. Jun 2013, 23:31 
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Registriert: So 8. Apr 2012, 20:28
Beiträge: 20
Inzwischen weiß ich, dass auch die Tonscherben in der originalen TP einen Sinn machen:

Marko hat gehört, dass bei örtlichen Farmern, die dortige originale TP bearbeiten, die TP mit Scherben "besser" sei, als die gesiebte. Ein Professor von der dortigen Agrar - Uni erklärt das damit, dass durch die Scherben (durch die Holzkohlestückchen auch?) die Kapillarbildung, die in jedem Boden zu großen Feuchtigkeitsverlusten führt, vermindert wird.

Ton ist saugfähig und nicht wasserdicht ("die schöne Tonvase gibt aber jedesmal einen feuchten Abdruck auf der Tischplatte!" O - Ton meiner besseren Hälfte"), und wo Wasser reinkommt, da kommen EMs auch rein.
Weil die Fäkalien, Holzkohle, Essensreste usw in den Töpfen fermentiert wurden, sind die Scherben also auch hochgradig "kontaminiert".
Es dauert länger, bis ein Stück durchgefeuchteter Tonscherben richtig ausgetrocknet ist, als ein vergleichbares Stück Holzkohle.
Deshalb spielen die Scherben in der original - TP bezüglich des Wasserspeichervermögens und als "Behausung" für EMs die gleiche Rolle, vielleicht sogar noch langfristiger.

Sonnige Grüße,
Lopho


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra-Preta-Basis-Wissen
BeitragVerfasst: Di 18. Jun 2013, 01:25 
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Registriert: So 8. Apr 2012, 20:28
Beiträge: 20
Hallo Freunde !

Ich hätte nichts dagegen, wenn mich jemand von Euch korrigiert, kritisiert, oder kommentiert (eine Alliteration!). Im Gegenteil, ich würde mich gerne mit Euch austauschen.

Neues Thema: Die Muschelschalen

Kalziummangel zeigt sich ganz deutlich bei Tomaten, die Frucht bekommt unten in der Mitte einen schwarzen Punkt der immer größer wird, die Tomate sieht von ober klasse aus, aber unter und innen ist sie schwarz. Ich müsste mal nach mehr Anzeigerpflanzen recherchieren.
Kalziumdünger ist normalerweise eine langwierige Angelegenheit, weil das Zeug nicht schnell wasserlöslich ist.
Ich habe gehört und inzwischen nachgemacht:
Wenn man alles, wo Kalk drin ist (Eierschalen, Knochen jeder Herkunft (kleine), Muschelschalen, etc) bei niedriger Temperatur ein paar Stunden röstet bis alle organische Materie weg ist (bis es nicht mehr stinkt), dann 14 Tage in milder Säure (empfohlen wird Apfelessig) stehen lässt, hat man einen prima, bereits wassergelösten Dünger, der sofort von der Pflanze über die Wurzeln als auch über die Blätter (!) aufgenommen werden kann. In der Praxis zum Spray: 1:20 verdünnen! (Wenns um die Säure geht die den Kalk auflöst, kann ich dafür eigentlich auch EMa nehmen. EMa hat ungefähr Ph 3,5, ich weiß gar nicht was Apfelessig hat, zur Not dauerts halt ein bisschen länger).
Wenn man das alles ein bisschen wärmer röstet, bis alles eine bräunliche Färbung angenommen hat, dann ist auch noch jede Menge Phosphor und Magnesium drin (stimmt das wirklich?).
Wenns denn schwarz wird, ists glaub ich reif für die Bio (TP / Bokashi) - Tonne.

Würde mich nicht wundern, wenn die alten Indianer ihre Muscheln und Knochen auf die ausgehende Herdglut geworfen hätten, bevor dann alles in den Omni - Entsorgungstopf geschüttet wurde.

Wie auch immer, es ist noch weit mehr Forschungsarbeit nötig, den alten Indios ein paar Geheimnisse zu entlocken, unsere Annahmen bezüglich TP sind häufig auf Hypothesen gestützt, und wissenschaftlich nur schwach untermauert.

Sonnige Grüße,
Lopho


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra-Preta-Basis-Wissen
BeitragVerfasst: Di 2. Jul 2013, 05:54 
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Registriert: Fr 3. Jun 2011, 08:12
Beiträge: 77
Den Tip mit Knochen werde ich versuchsweise ausprobieren, einen Teil davon in Apfelessig, den anderen in EM eine Weile lagern lassen.
Zu den Tonscherben, ich vermute auch, dass diese einen wichtigen Beitrag leisten, an Ziegelsplitt komme ich leider nicht mehr ran,
was mir als Ersatz durch den Kopf geht:
Blähton, Lavamulch zum Untermischen, meine Tontöpfe sind mir zu schade zum Zerschlagen, ausserdem hab ich ein wenig Hab acht vor spitzigen Tonscherben im Boden.
Was mir noch durch den Kopf geht, Ziegel werden aus Lehm gebrannt, dann müssten im Feuer gebrannte Lehmklumpen auch eine Möglichkeit sein, womöglich diese Anteile in die Terra Preta zu bringen.
Ich werde es auf alle Fälle mal versuchen, Lehm mit EM zu vermischen und dann im Sampada mit zu verbrennen.
Mehr als nichts kann nicht dabei herauskommen, die Knochen schmeiss ich auch dazu.
Meine Vermutung ist, dass diese alten Kulturen in diese grossen Pötte wohl alles geworfen haben, was wir als "Müll" und "Abfall" bezeichnen. Die Kunst bestand wohl, dass aus diesen Abfällen wertvollste Erde mit dieser Langzeitwirkung dabei entstand.
Meine Terra Preta ist auch nur ein Versuch, die sagenumworbene Fruchtbarkeit kann ich allerdings bestätigen, besonders der Mais ist in diesem Jahr trotz kühlem Wetter, trotz der massiven Regenfälle in der Blühphase und teilweise mehr als 1, 6 m hoch. Die Kartoffeln haben sehr gute Erträge (Frühkartoffeln), die mittelfrühen Pflanzen stehen auch sehr gut da, Kohlrabi, Frühkohl machten sich auch sehr gut.
Man darf eines nicht vergessen, an ihrem Urspungsort gibt es zur Terra Preta ausreichende Feuchtigkeit und Wärme.
Diese 3 Bedingungen müssen wohl zusammenkommen.
Feuchtigkeit hatten wir dieses Jahr mehr als ausreichend, Wärme hab ich über die Umsetzungswärme in den Boden gebracht und mit Gartenvlies, bzw. Folientunnel versucht, den Pflanzen etwas bessere Lebensbedingungen zukommen zu lassen.
Und nochmals zum Kalk zurück zu kommen, ich gebe in den Kompost auf die pflanzlichen Abfälle immer eine dünne Schicht Kalk bzw. auch Herdasche,
auf den Mistanteil aber keinen, Kalk treibt Stickstoff aus.
Nur aus reinen pflanzlichen Abfällen kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das gleiche Terra Preta entwickelt als mit einer gründlichen Mischung.
Ich würde mich auch über eine Diskussion freuen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra-Preta-Basis-Wissen
BeitragVerfasst: Di 2. Jul 2013, 11:21 
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Registriert: Do 13. Jan 2011, 12:32
Beiträge: 109
Hallo Hobbygärtnerin !

Die nachgemachte Terra-Preta kann nur so gut werden wie die Organik die man zufügt. Deshalb ist ja Vielfalt so wichtig. Dazu gehört auch Stickstofflieferanten wie Mist jedweder Art. Die Mayas habe ja ihre eigenen Fäkalien mit fermentiert und Tiermist und Fleisch u.Fischreste aus diesem Grund. Die Holzkohle kann nur diese Stoffe aufnehmen die zur Verfügung stehen. Deshalb gebe ich immer einen großen Mistanteil zu und auch Holzanteile.

lg. elis


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra-Preta-Basis-Wissen
BeitragVerfasst: Do 4. Jul 2013, 00:53 
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Registriert: So 8. Apr 2012, 20:28
Beiträge: 20
Hallo schon wieder!
Diese Tonscherben kommen von ziemlich grossen Toepfen, manche bis zu 2 m Durchmesser, die meisten jedoch hatten so um die 60 - 70 cm. Ich nehme an, die kleineren stammen von Ein-Familien-Haushalten, und die grossen von oeffentlichen Einrichtungen. Die allermeisten Toepfe waren auch noch mit schoenen Mustern, Verzierungen und Ornamenten versehen.
Wenn man bedenkt, dass eine Familie so einen Topf in ein bis zwei Monaten vollgemacht hat, und sich dann wieder einen Neuen anschaffen musste, dann war das doch ein groesserer Kostenfaktor. Deshalb vermute ich, dass die umsichtige Hausfrau damals darauf geachtet hat, dass neben dem Kot auch wirklich nur die Sachen in den Toilettentopf kamen, die sonst irgendwann zu stinken anfangen, die hygienisch bedenklichen Sachen also, wie Graeten, Knochen, usw.
Die Kartoffelschalen und Kohlstruenke kannst du genausogut auf den konventionellen Komposthaufen hinter dem Haus werfen, ich kann nicht jede Woche einen neuen Topf kaufen!
Topf voll - luftdicht verschliessen - wegschaffen - fermentieren lassen - Topf zerschlagen - und dann erst mit pflanzlichem Material (eventuell bereits fertigem Kompost?) mischen.
Was meint ihr zu dieser These?

Lopho


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra-Preta-Basis-Wissen
BeitragVerfasst: Do 4. Jul 2013, 06:52 
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Registriert: Fr 3. Jun 2011, 08:12
Beiträge: 77
Hallo Lopho,
deine Gedankengänge find ich gut, denn ich vermute auch, dass die Bestandteile in diese Kübel kamen, die in der Wärme und Feuchtigkeit der dortigen Gegend zu Fäulnis und Krankheitserregern geführt hätten, vermutlich auch aus Schutz vor Insekten und anderem Getier.
Aus der Sicht der umsichtigen Hausfrau Gedankengänge zu machen, so mach ich es auch, weil ich vermute, dass in uns ein universelles Wissen angelegt ist, dass sinnvollen und sparsamen Umgang mit den Ressourcen beinhaltet.
Was ich auch noch vermute, dass auch dort wie in den meisten Kulturen irgendwas gebraut, angesetzt worden ist, das am Schluss ein alkoholisches Getränk ergab und die Reste dieser Gärung vielleicht auch in den Kübel kamen.


Was ich auch vermute, dass alles, was an organischer Masse vorhanden war, in bestmöglicher Form wieder dem Nährstoffkreislauf zurückgeführt worden ist- und dies in einer Gegend, die wegen Wärme und Feuchtigkeit ansonsten viel schnellere Umsetzungswege erlaubt , aber eben auch zur Vermehrung von Krankheiten ganz gewaltig beigetragen hätte.
Wenn die Berichte aus der damaligen Zeit über dichtbesiedelte Gartenstädte stimmen würden, dann müssten die Reststoffverwertung der damaligen Zeit sehr gut bekannt gewesen sein.
Was mich nur wundert, zumindest hab ich noch nichts darüber gelesen, bei uns findet man immer wieder auch noch Mammutknochen, Dinosaurerskelettteile, dann müssten sich doch noch Menschenknochen aus diesen Zeiten finden lassen, es sei denn, sie wurden auch als Asche der Verwertung zugeführt?????

Ich hab über Tonscherben gelesen, dass diese das Phosphat speichern würden, vielleicht hat eben diese Mischung von Holzkohle, Tonscherben, Muschel- und Knochenresten in Verbindung mit organischer Masse diese in sich stabile Erde entstehen lassen.
Für die Tonscherben hab ich mir überlegt, ich werde mir Ziegelsteine mit dem Vorschlaghammer zerkleinern, haben den Vorteil, sie sind nicht hartgebrannt, lassen sich relativ gut zerkleinern und vom Preis her auch nicht die Welt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra-Preta-Basis-Wissen
BeitragVerfasst: Do 4. Jul 2013, 16:26 
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Registriert: So 8. Apr 2012, 20:28
Beiträge: 20
Hallo Hobbygaertnerin!

Das ist es! Du hast den Stein der Weisen gefunden, the missing link, die Antwort auf die letzte aller Fragen:

Wie haben sie es gemacht, was haben sie als EM benutzt, war es Joghurt oder Sauerkraut, oder war es vielleicht CHICHA?

Ausgangsmaterial ist Mais oder andere Pflanzen/Pflanzenteile mit einem hohen Anteil an Kohlehydraten, mit viel Speichel gut durchgekaut, vergoren, es entsteht ein bieraehnliches, alkoholisches Getraenk, das bei allen indigenen Voelkern Suedamerikas bekannt und beliebt war, und teilweise heute noch ist. Weil Chicha nicht lange haltbar ist, muss der Rest weggekippt werden.

Es passt alles zusammen: Ein taegliches Genussmittel, das landesweit genossen wird, die Reste werden als EM mit der Holzkohle in den Toilettentopf gegeben.

Herzlichen Glueckwunsch Hobbygaertnerin!

Lopho


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 Betreff des Beitrags: Re: Terra-Preta-Basis-Wissen
BeitragVerfasst: Fr 5. Jul 2013, 06:20 
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Registriert: Fr 3. Jun 2011, 08:12
Beiträge: 77
Danke für die Bumen,
ich wusste nichts von diesem Bier, habe nur die vergangene Woche aus Holunderblüten ein alkoholisches Getränk angesetzt, die abgeseihten Blüten kamen in den Bokahsieimer, der Geruch der Blüten war ziemlich ähnlich dem Geruch von EM.
Und da kam mir eben aus der Sicht der sparsamen Hausfrau der Gedanke, ob nicht jedes Land, jede Kultur ihre angesetzten Gebräue haben könnte?
Ich bin auch fündig geworden, Tonscherben als wichtige Zutat, also hab ich ein paar Ziegelsteine klein gemacht.
Der Ziegelsplitt ist in der Regel aus kleingemahlenen Dachziegeln, die doch eher per Hartbrand hergestellt worden sind, Blähton ist sehr hoch gebrannt, ebenbso Lavamulch, Mauerziegelsteine sind nicht frostfest, also könnten sie eher Weichbrand sein. Ich werde mich im Bekanntenkreis nach alten Ziegelsteinen umhören, sie erscheinen mir am Besten geeignet zu sein.
Tontöpfe sind mir doch zu teuer.
Ich versuche allerdings beim nächsten mal Holzkohlenherstellung auch Lehmbatzen mit zu brennen, mal sehen ob das was wird.
Damit die Ziegelkleinteile gleich geimpft werden,hab ich sie in einer nährstoffreichen Brühe eingeweicht.
Einen Sack Muschelkalk hab ich mir noch besorgt und Knochen vom Braten oder Kochen vom Fleisch müssen noch einer Verwendung zugeführt werden.
Die Federn in den alten Federbetten hab ich zum Glück noch nicht entsorgt, sie kommen auch noch dran.
Jetzt aber stellt sich für mich nur noch die Frage, wurde dieser Terra Preta Kompost als Heisskompostierung oder als Kaltkompostierung hergestellt?


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